Überwinde die Angst vor Ablehnung

Avoid Criticism

Wenn ich hier im Blog einen Artikel veröffentliche, dann teile ich ihn auf Twitter. Auf Facebook teile ich ihn allerdings nicht. Diese Entscheidung habe ich nie bewusst getroffen, es hat sich intuitiv so ergeben. Als ich letztens darauf aufmerksam geworden bin, wollte ich wissen, wieso diese unbewusste Entscheidung so gefallen ist und habe eine interessante Erkenntnis über mich gewonnen.

Meine Follower auf Twitter sind zum Großteil Menschen (oder Bots), die ich nicht persönlich kenne. Meine Facebook-Freunde dagegen kenne ich alle persönlich. Daraus schließe ich, dass ich zwar eigentlich will, dass meine Artikel von so vielen Menschen wie möglich gelesen werden, aber doch bitte von niemandem, der mich kennt. Wenn ich über diesen Schluss nachdenke, dann muss ich einräumen, dass er völlig richtig ist. Dieses Verhalten ist umso ausgeprägter, je persönlicher ich schreibe. So habe ich weniger Probleme damit, einen Artikel über vegane Pizza in Hamburg mit Bekannten zu teilen, als ein persönlicheres Stück wie dieses hier.

Das gleiche Prinzip trifft auch auf Feedback zu: Ich würde unheimlich gern Feedback auf meine Artikel in Form von Kommentaren oder per E-Mail bekommen, aber von jemandem im echten Leben direkt damit konfrontiert werden? Um Himmels Willen!

Dieses Verhalten kann ich auch auf andere Bereiche meines Lebens übertragen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich vor einigen Jahren als Gitarrist in einer Coverband gespielt habe und immer sehr froh war, wenn ich niemanden im Publikum kannte. Generell fällt es mir leichter, vor Fremden aus mir heraus zu gehen als vor Bekannten. Ich vermute, dass der Grund für dieses Verhalten eine Angst vor Ablehnung ist, die ich in mir trage. Je weniger über mich bekannt ist, desto unverwundbarer bin ich und desto weniger Raum biete ich anderen für eine schlechte Beurteilung. Vor Fremden ist die Angst nicht so schlimm, weil ich dort den (Pseudo-)Schutz der Anonymität genieße.

Es gibt gute Gründe dafür, diese Angst vor Ablehnung überwinden zu wollen. Die Unverwundbarkeit gegenüber Kritik durch andere geht mit einer Unnahbarkeit einher, weil es einfach kein Profil gibt, das jemand fassen könnte. Man schwimmt eben immer mit, gestalten tun die anderen. Außerdem führt diese Angst dazu, dass man sein eigenes Verhalten so anpasst, dass man am besten gar nicht mehr auffällt und die eigene Persönlichkeit und deren Bedürfnisse unterdrückt. Verhaltensweisen, die ich an mir selbst in der Vergangenheit zur Genüge beobachten konnte.

Doch wie kann man diese Angst überwinden? Ablehnung wird es immer geben. Selbst wenn wir etwas Großartiges erschaffen wird es immer Menschen geben, durch die es schlecht beurteilt wird. Wir müssen also dafür sorgen, dass wir uns von den Beurteilungen anderer unabhängig machen. In der Regel machen wir den Fehler, dass wir Kritik nicht nur auf unser Produkt oder unser Verhalten beziehen, sondern auf uns als Menschen. Wir nehmen also an, dass eine schlechte Leistung unseren Wert als Mensch herabsetzt, was natürlich nicht stimmt. Der Grund dafür, dass wir so denken, liegt in dem Selbstbild, das wir von uns haben. Denn wenn wir selbst schlecht von uns denken, gehen wir davon aus, dass andere genauso denken. Und genau das führt zu Schüchternheit und fehlendem Selbstvertrauen. Die Verbesserung dieses Selbstbilds ist der Schlüssel zur Überwindung der Angst vor Ablehnung.

Die Quintessenz daraus ist, dass wir daran arbeiten müssen, uns selbst so zu akzeptieren wie wir sind und uns selbst auch Fehler und Mängel eingestehen. Wichtig ist die Überzeugung, dass diese Fehler und Mängel nichts an unserem Wert als Mensch ändern. Nur wenn wir diese Überzeugungen verinnerlichen, können wir uns von der Kritik und Beurteilung anderer unabhängig machen und die Angst vor Ablehnung überwinden. Der erste und meiner Erfahrung nach schwierigste Schritt auf dem Weg dahin ist, dass man sich selbst dieser Angst vor Ablehnung bewusst wird, die man in sich trägt. Nur dann kann man aktiv daran arbeiten, sein Selbstbild zu verbessern.

“Avoid Criticism” by Celestine Chua is licensed under CC BY 2.0

Join the Conversation

1 Comment

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *