Category Archives: Psychologie

Fundstücke 004

In den Fundstücken verlinke ich in unregelmäßigen Abständen fünf interessante Links, auf die ich gestoßen bin.

Smiling Scots, worried Welsh and lazy Londoners: survey maps regional personality types | Science | The Guardian
In Großbritannien gab es eine groß angelegte Studie darüber, welche Persönlichkeitstypen vermehrt in welcher geographischen Gegend wohnen. So eine Studie würde ich gern in Deutschland sehen.

Pasta salad with rucola, tomato and basil tofu | The vegan vulture
Ein weiteres Rezept meiner besseren Hälfte. Diesmal ist es einfach und leicht, aber trotzdem lecker. Der Sommer kann kommen!

The 100 Best Websites for Writers in 2015 | The Write Life
Umfassende Linkliste mit Ressourcen übers Schreiben. Da sollte für jeden etwas dabei sein, der sich ein bisschen mit dem Schreiben befassen möchte.

TinEye Reverse Image Search
Das Internet kann mich noch überraschen. Von der Existenz von Rückwärtssuchen für Bilder wusste ich bisher noch nicht. Man lädt ein Bild hoch oder gibt die URL zu einem an und TinEye verrät einem die Quelle(n) des Bildes. Ich fand es beeindruckend.

The Science Of Why You Should Spend Your Money On Experiences, Not Things | Fast Company
Wir sollen unser Geld lieber für Erlebnisse ausgeben, als für Materielles, weil das langfristig glücklicher macht. Menschen kaufen trotzdem lieber Dinge, weil sie davon länger etwas hätten als von einem zeitlich begrenzten Erlebnis. Ich könnte mir als zusätzlichen Grund noch vorstellen, dass viele Menschen einfach ein so vollgepacktes Leben haben, dass gar keine Zeit mehr für Erlebnisse bleibt und so stattdessen materielle Dinge gekauft werden.

Überwinde die Angst vor Ablehnung

Avoid Criticism

Wenn ich hier im Blog einen Artikel veröffentliche, dann teile ich ihn auf Twitter. Auf Facebook teile ich ihn allerdings nicht. Diese Entscheidung habe ich nie bewusst getroffen, es hat sich intuitiv so ergeben. Als ich letztens darauf aufmerksam geworden bin, wollte ich wissen, wieso diese unbewusste Entscheidung so gefallen ist und habe eine interessante Erkenntnis über mich gewonnen.

Meine Follower auf Twitter sind zum Großteil Menschen (oder Bots), die ich nicht persönlich kenne. Meine Facebook-Freunde dagegen kenne ich alle persönlich. Daraus schließe ich, dass ich zwar eigentlich will, dass meine Artikel von so vielen Menschen wie möglich gelesen werden, aber doch bitte von niemandem, der mich kennt. Wenn ich über diesen Schluss nachdenke, dann muss ich einräumen, dass er völlig richtig ist. Dieses Verhalten ist umso ausgeprägter, je persönlicher ich schreibe. So habe ich weniger Probleme damit, einen Artikel über vegane Pizza in Hamburg mit Bekannten zu teilen, als ein persönlicheres Stück wie dieses hier.

Das gleiche Prinzip trifft auch auf Feedback zu: Ich würde unheimlich gern Feedback auf meine Artikel in Form von Kommentaren oder per E-Mail bekommen, aber von jemandem im echten Leben direkt damit konfrontiert werden? Um Himmels Willen!

Dieses Verhalten kann ich auch auf andere Bereiche meines Lebens übertragen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich vor einigen Jahren als Gitarrist in einer Coverband gespielt habe und immer sehr froh war, wenn ich niemanden im Publikum kannte. Generell fällt es mir leichter, vor Fremden aus mir heraus zu gehen als vor Bekannten. Ich vermute, dass der Grund für dieses Verhalten eine Angst vor Ablehnung ist, die ich in mir trage. Je weniger über mich bekannt ist, desto unverwundbarer bin ich und desto weniger Raum biete ich anderen für eine schlechte Beurteilung. Vor Fremden ist die Angst nicht so schlimm, weil ich dort den (Pseudo-)Schutz der Anonymität genieße.

Es gibt gute Gründe dafür, diese Angst vor Ablehnung überwinden zu wollen. Die Unverwundbarkeit gegenüber Kritik durch andere geht mit einer Unnahbarkeit einher, weil es einfach kein Profil gibt, das jemand fassen könnte. Man schwimmt eben immer mit, gestalten tun die anderen. Außerdem führt diese Angst dazu, dass man sein eigenes Verhalten so anpasst, dass man am besten gar nicht mehr auffällt und die eigene Persönlichkeit und deren Bedürfnisse unterdrückt. Verhaltensweisen, die ich an mir selbst in der Vergangenheit zur Genüge beobachten konnte.

Doch wie kann man diese Angst überwinden? Ablehnung wird es immer geben. Selbst wenn wir etwas Großartiges erschaffen wird es immer Menschen geben, durch die es schlecht beurteilt wird. Wir müssen also dafür sorgen, dass wir uns von den Beurteilungen anderer unabhängig machen. In der Regel machen wir den Fehler, dass wir Kritik nicht nur auf unser Produkt oder unser Verhalten beziehen, sondern auf uns als Menschen. Wir nehmen also an, dass eine schlechte Leistung unseren Wert als Mensch herabsetzt, was natürlich nicht stimmt. Der Grund dafür, dass wir so denken, liegt in dem Selbstbild, das wir von uns haben. Denn wenn wir selbst schlecht von uns denken, gehen wir davon aus, dass andere genauso denken. Und genau das führt zu Schüchternheit und fehlendem Selbstvertrauen. Die Verbesserung dieses Selbstbilds ist der Schlüssel zur Überwindung der Angst vor Ablehnung.

Die Quintessenz daraus ist, dass wir daran arbeiten müssen, uns selbst so zu akzeptieren wie wir sind und uns selbst auch Fehler und Mängel eingestehen. Wichtig ist die Überzeugung, dass diese Fehler und Mängel nichts an unserem Wert als Mensch ändern. Nur wenn wir diese Überzeugungen verinnerlichen, können wir uns von der Kritik und Beurteilung anderer unabhängig machen und die Angst vor Ablehnung überwinden. Der erste und meiner Erfahrung nach schwierigste Schritt auf dem Weg dahin ist, dass man sich selbst dieser Angst vor Ablehnung bewusst wird, die man in sich trägt. Nur dann kann man aktiv daran arbeiten, sein Selbstbild zu verbessern.

“Avoid Criticism” by Celestine Chua is licensed under CC BY 2.0

Fernstudium Psychologie: Start des zweiten Semesters

Heute am 01.04. beginnt offiziell das zweite Semester meines Fernstudiums Psychologie an der PFH Göttingen. Ich habe meine Lernunterlagen bereits alle bekommen und kenne seit heute meine Klausurtermine. Vom Umfang des Stoffes bin ich im Moment sehr erschlagen, das ist doch einiges mehr als im ersten Semester.

Im Laufe des Semesters, also bis Ende September, muss ich drei Module bearbeiten und jeweils mit einer Klausur abschließen. Im Einzelnen sind das die folgenden:

  1. Differentielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie
    • 4 Lehrbriefe
    • 520 Seiten
    • Klausur: Ende Mai
  2. Sozialpsychologie
    • 4 Lehrbriefe
    • 624 Seiten
    • Klausur: Ende August
  3. Biologische Psychologie
    • 3 Lehrbriefe
    • 308 Seiten
    • Klausur: Ende September

Zusammengefasst heißt das, dass ich elf Lehrbriefe mit insgesamt satten 1.452 Seiten bearbeiten muss. Zum Glück konnte ich mir bereits einen Vorsprung in der differentiellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie herausarbeiten. Trotzdem fürchte ich, dass die ein bis zwei Stunden am Tag, die ich bisher investiert habe, für das kommende Semester nicht ausreichen werden. Da muss ich diszipliniert sein, so wenig Prokrastination wie möglich zulassen und hoffen, dass der Stoff leicht verständlich ist und ich schnell damit durchkomme.

Trotz aller Fokussiertheit auf den Lernstoff möchte ich auch dieses Blog weiterhin mit Inhalten befüllen. Eine Strategie dafür, die ich letztens bereits einmal angewendet habe, kann sein, dass ich hier Sachartikel über Themen veröffentliche, die ich im Rahmen meines Studiums ohnehin lernen muss. Auf diese Weise komme ich zum Schreiben, lerne aber auch gleichzeitig relevanten Stoff. Voraussetzung dafür ist, dass ich davon ausgehe, dass das Thema für den ein oder anderen außer mir interessant sein könnte. Allzu theoretische und trockene Inhalte werde ich euch dann doch lieber ersparen.

Jetzt stürze ich mich erstmal auf die Lehrbriefe und versuche, dem Stoff etwas von seinem Schrecken zu nehmen. Ich werde euch hier auf dem Laufenden halten, wie ich mit dem Pensum vorankomme.

Was ist Persönlichkeit?

Wir wissen, dass jeder Mensch eine Persönlichkeit hat und einzigartig ist. Doch was verstehen wir eigentlich unter Persönlichkeit? Diese Frage stellt sich auch die Psychologie in der Disziplin Differenzielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie. Im Rahmen dieser gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Theorien, die jeweils auf unterschiedliche Art und Weise versuchen, Persönlichkeit zu definieren und zu erfassen. Dieser Artikel ist der Versuch, einen Überblick über die verschiedenen Ansätze zu geben.

Historische Erfassungsversuche

Das Wort Persönlichkeit ist vom lateinischen Wort persona abgeleitet und bedeutet Maske. Hieraus lässt sich schließen, dass die Persönlichkeit dem nach außen sichbaren Bild eines Menschen entspricht, also aus den Eigenschaften, die von anderen wahrgenommen werden (sollen).

Bereits im vierten Jahrhundert vor Christus begründete Aristoteles bzw. einer seiner Schüler die Physiognomik. Hier wurde versucht, aus dem Gesichtsschnitt eines Menschen Aussagen über dessen Persönlichkeit abzuleiten. Dieser Ansatz erlangte noch einmal eine große, allerdings nur sehr kurzfristige Popularität im 18. Jahrhundert, bevor er wegen seiner hohen Subjektivität und seiner hohen Anfälligkeit gegenüber Vorurteilen aus dem Fokus verschwand.

Im späten 18. Jahrhundert entwickelte der deutsche Arzt Franz Josef Gall die Phrenologie. Die Annahme war, dass man aus dem Bau des Schädels auf die charakterlichen Eigenschaften eines Individuums schließen kann. Dieser Annahme liegt die Vermutung zu Grunde, dass eine besonders stark ausgeprägte Eigenschaft einer Person von einer besonderen Größe des entsprechenden Hirnareals begleitet werden müsste. Als Folge dieser Vermutung wurde erwartet, dass man diese besondere Größe an Hand von Ausbuchtungen oder Vorwölbungen der Schädeldecke feststellen kann. Die phrenologische Vermessung der Schädeldecke sollte Rückschlüsse auf individuelle Ausprägungen von Persönlichkeitsmerkmalen erlauben. Dieser Ansatz blieb bis ins 20. Jahrhundert hinein populär.

Im 19. Jahrhundert erfand der französische Priester, Gelehrte und Schriftsteller Jean Hippolyte Michon die Grafologie. Deren Grundgedanke war, dass die Persönlichkeit und die Fähigkeiten eines Menschen zumindest teilweise auch durch seine Motorik zum Ausdruck kommen. Somit sollten die Schreibbewegungen einer Person als psychodiagnostisches Deutungsmittel verwendbar sein. Diese Technik wird teilweise heute noch zur Persönlichkeitsbeurteilung eingesetzt, zum Beispiel immer dann, wenn im Rahmen einer Bewerbung etwas Handschriftliches eingefordert wird.

Bedeutung von Persönlichkeit in den verschiedenen Persönlichkeitstheorien

Im Folgenden wird beschrieben, welche Bedeutung die Persönlichkeit in den verschiedenen Persönlichkeitstheorien der differenziellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie hat.

Psychoanalyse

Die Psychoanalyse begreift den Menschen als ein energetisches System, das aus dem Sexualtrieb und dem Aggressionstrieb gespeist wird. Aus diesen Trieben entsteht eine psychische Energie, die vom psychischen Apparat eines Menschen verwaltet wird. Dieser psychische Apparat ist die Struktur der Persönlichkeit eines Menschen und besteht aus den drei Instanzen Es, Ich und Über-Ich.

Der Urspung der Triebe befindet sich im Es. Dieses strebt die sofortige Befriedigung der Triebe an, hat dabei aber keinen Kontakt zur Außenwelt, das heißt alle Prozesse im Es sind unbewusst. Freud nahm an, dass menschliches Verhalten hauptsächlich durch unbewusste Triebimpulse gesteuert ist.

Als Vollstrecker der Triebe dient das Ich. Dieses hat die Aufgabe, zwischen den Triebbedürfnissen des Es und der Außenwelt zu vermitteln. Dazu stehen ihm die sogenannten Ich-Funktionen, zum Beispiel Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis und Willkürmotorik, zur Verfügung. Diese Funktionen ermöglichen es dem Individuum, mit der Umwelt zu interagieren und sie zu beeinflussen.

Als moralische Instanz des psychischen Apparats dient das Über-Ich. Dieses repräsentiert traditionelle Werte und Ideale der Gesellschaft. Es versucht, inakzeptable Impulse aus dem Es zu hemmen und das Ich zu überreden, realistische durch ethische Ziele zu ersetzen und nach Vollkommenheit zu streben. Zu diesem Zweck kann das Über-Ich das Ich entweder belohnen oder bestrafen: Handelt das Ich nicht nach dem Über-Ich, so wird es mit Schuldgefühlen gestraft. Handelt es dagegen nach dem Über-Ich, so wird es mit Stolz belohnt.

Behaviorismus

Der Behaviorismus sieht die Psychologie als streng experimentell ausgerichtete Disziplin der Naturwissenschaften. Nach dieser Theorie ist beobachtbares Verhalten nur von physikalischen Umweltbedingungen abhängig, es gibt weder angeborene Instinkte noch biologisch determinierte Persönlichkeitseigenschaften. Persönlichkeitsmerkmale sind durch klassische und operante Konditionierung erworbene Verhaltensweisen. Die Summe dieser Verhaltensweisen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens, insbesondere in der frühen Kindheit, ausbildet, entspricht der Persönlichkeit des Menschen.

Soziale Lerntheorie

Die sozialen Lerntheorien betrachten die Wechselwirkung zwischen dem Individuum und seiner bedeutsamen Umwelt. Um menschliches Verhalten verstehen zu können, muss man die individuelle Lerngeschichte und die Umweltreize, die die Person wahrnimmt und auf die sie reagiert, berücksichtigen. Die Persönlichkeit ist hier ein relativ stabiles Gefüge der individuellen Möglichkeiten, in einer bestimmten sozialen Situation zu reagieren. Da ständig neue Erfahrungen gemacht werden, ist die Persönlichkeit ständigen Veränderungen unterworfen. Allerdings werden diese neuen Erfahrungen aber von früheren Erfahrungen beeinflusst, wodurch die Persönlichkeit eine gewisse Stabilität erlangt.

Kognitive Persönlichkeitstheorien

In den kognitiven Persönlichkeitstheorien werden die interindividuellen Unterschiede in der Art und Weise, wie eine Person sich selbst, ihre Erfahrungen und ihre Umwelt bewertet, sowie die Folgen daraus für ihr Verhalten, betont. Grundlage für diese Bewertungen sind sogenannte Konstrukte. Ein Konstrukt ist ein Ordnungsprinzip, nach dem Erfahrungen im Hinblick auf die eigene Person und die soziale und materielle Umwelt unterschieden und mit Bedeutung versehen werden. Unterscheidungen auf Grundlage von Konstrukten müssen nicht verbalisiert sein und nicht bewusst erfolgen. Die Art und Weise, wie eine Person auf der Grundlage der Konstrukte künftige Ereignisse antizipiert, entscheidet, wie sie fühlt, denkt und handelt. Die Menge aller Konstrukte einer Person, also ihr Konstruktsystem, ist ihre spezifische Art und Weise, Erfahrungen zu strukturieren und ihnen Bedeutung zu verleihen. Dieses Konstruktsystem entspricht der Persönlichkeit.

Humanistische Persönlichkeitstheorie

Die humanistische Psychologie geht davon aus, dass jedes Individuum über ein Potential für positives Wachstum und physische wie auch psychische Gesundheit verfügt.

Ein wichtiger Begriff ist hier das Erfahrungsfeld eines Individuums. Dieses beschreibt die Art und Weise, wie ein Individuum seine Umwelt wahrnimmt und erlebt. Dazu zählen sowohl bewusste Erfahrungen, die durch Reize aus der Außenwelt entstehen als auch Erfahrungen, die auf Prozesse innerhalb des Körpers zurückgeführt werden können (erlebte Zustände oder momentane Befindlichkeiten). Unbewusste physiologische Prozesse wie bspw. Stoffwechselvorgänge gehören hingegen nicht dazu. Das Erfahrungsfeld ist das subjektive innere Bezugssystem einer Person und laut Rogers der bestmögliche Ausgangspunkt zum Verständnis eines jeden Individuums.

Der Anteil des Erfahrungsfeldes eines Individuums, der die eigene Person betreffend erlebt wird, wird als das Selbst bezeichnet. Das Selbst ist ein überdauerndes Muster von Wahrnehmungen, das durch eine interne Struktur charakterisiert ist. Das bedeutet nicht, dass das Selbst starr oder unveränderbar ist, viel mehr bleibt im Falle der Veränderung des Selbst eine organisierte Qualität erhalten. Das Selbst wird auch als Struktur der Persönlichkeit betrachtet.

Konstitutionspsychologische Ansätze

Die zentrale Annahme der konstitutionspsychologischen Ansätze ist, dass ein Zusammenhang zwischen dem Körperbau einer Person und deren Persönlichkeit besteht. Eine besondere Bedeutung hat die Frage nach einer gemeinsamen biologischen Grundlage von Körperbau und Persönlichkeit.

Die Persönlichkeit wird dadurch bestimmt, dass den Personen auf Basis ihres Körperbaus grundlegende Persönlichkeitstypen zugeordnet werden. Diese Persönlichkeitstypen umfassen psychische und physische Aspekte des Individuums. Es gibt jedoch keine allgemein akzeptierte Klassifikation von Persönlichkeitstypen.

Eigenschaftstheorien

Die Eigenschaftstheorien definieren sich dadurch, dass sich die Persönlichkeit dort durch die Ausprägung von Eigenschaften (Persönlichkeitsmerkmale) beschreiben lässt. Die verschiedenen Eigenschaftstheorien unterscheiden sich darin, welche und wie viele Eigenschaften für die umfassende Beschreibung und Erklärung der menschlichen Persönlichkeit als grundlegend erachtet werden.

Eine Eigenschaft ist eine Klasse von funktional äquivalenten Verhaltens- und Erlebensweisen (z.B. Ängstlichkeit), die über die Zeit und unterschiedliche Situationen hinweg relativ beständig ist. Verschiedene Eigenschaftstheorien haben verschiedene Annahmen über die Ursache dieser Stabilität und Konsistenz des Verhaltens (genetische Faktoren vs. Umweltfaktoren). Es gibt allerdings die allgemeine Annahme, dass jede Person im Hinblick auf jede Eigenschaft beschrieben werden kann. Die Schwäche dieser Theorie ist, dass menschliches Verhalten nicht auf die simple Art und Weise stabil und konsistent ist, wie es das theoretische Konzept der Eigenschaft impliziert.

Fazit

Was ist Persönlichkeit nun also? Diese Frage wird auch dieser Artikel leider nicht abschließend beantworten können. Wenn in der Umgangssprache von Persönlichkeit die Rede ist, ist dabei meist intuitiv der Ansatz der Eigenschaftstheorien gemeint. Meine persönlichen Favoriten unter den beschriebenen Ansätzen sind die der humanistischen Persönlichkeitstheorie sowie der kognitiven Persönlichkeitstheorien.

Ich hoffe, der Artikel konnte einen guten Überblick über die verschiedenen Ansätze der differenziellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie geben, Persönlichkeit zu definieren und zeigen, dass die Frage “Was ist Persönlichkeit?” nicht so einfach zu beantworten ist, wie man auf den ersten Blick vielleicht denken mag.

Fundstücke 003

In den Fundstücken verlinke ich in unregelmäßigen Abständen fünf interessante Links, auf die ich gestoßen bin.

Remembering a Crime That You Didn’t Commit | The New Yorker
Die Erinnerung von Menschen kann durch Suggestion manipuliert werden, daher sollten Augenzeugenberichte – insbesondere vor Gericht – mit Vorsicht genossen werden.

How To Meditate (And Get The Most Benefit Out Of It) | io9
Schön für Einsteiger zusammengefasst, wie das mit dem Meditieren so funktioniert und warum man das tun sollte.

“Shepherd’s pie”, and a competition… | The vegan vulture
Das zweite Rezept im Blog meiner besseren Hälfte. Ich verbürge mich gern für die Leckerheit ihres veganen Sheperd’s pies.

Psychoanalyse – Die Lehre vom Unbewussten | Universität Hamburg
Das kommt für mich wie gerufen. Die Psychoanalyse ist ein großer Teil des Stoffs, den ich bis Ende Mai im Fach “Differenzielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie” draufhaben muss. Da kommt mir die öffentliche Vorlesungsreihe an der Uni gerade Recht.

What Your Tweets Say About You | The New Yorker
Wissenschaftler versuchen durch die Auswertung von Tweets auf Krankheiten der schreibenden User sowie auch Leute in geografischer Nähe zu schließen. Dass das ganze nicht so abwegig ist, wie es klingt, könnt ihr im Artikel nachlesen.

Fundstücke 002

In den Fundstücken verlinke ich in unregelmäßigen Abständen fünf interessante Links, auf die ich gestoßen bin.

Lack-Offensive gegen Wildpinkler auf St. Pauli | St. Pauli Nu*de
Zurückpinkelnde Wände, wieso ist da vorher noch niemand drauf gekommen?

Why People “Fly from Facts” | Scientific American
Der Mensch glaubt an Fakten – solange sie die eigene Meinung untermauern. Tun sie das nicht, werden sie gern ignoriert oder abgetan.

Are humans getting cleverer? | BBC
Gemessen an der Performance in IQ-Tests nimmt die Intelligenz der Weltbevölkerung stetig zu. Der Artikel erklärt die Hintergründe dazu und stellt die Frage, wieso dann nicht mehr Genies unter uns wandeln als früher.

Hello and welcome to my blog! It’s all about yummy vegan recipes! | The vegan vulture
Meine (viel!) bessere Hälfte hat ein Blog gestartet und teilt im ersten Eintrag das Rezept ihrer großartigen veganen Bolognese-Sauce. Die Fastenzeit ist vorbei, also lesen, nachkochen und folgen!

“Super Mario Bros.” on Sax Quartet by myself | YouTube
Ein Medley aller möglichen Super Mario Bros. Melodien von einer Person auf vier Instrumenten eingespielt. Genial arrangiert hat es mich mit Leichtigkeit wieder zurück in meine Kindheit versetzt.

Diagnose: hochbegabt und erstes Semester abgeschlossen

In meinem wöchentlichen Logbuch lasse ich meine letzte Woche Revue passieren und schreibe über die Dinge, die mich gerade beschäftigen.

Mensa-Beitritt

Ich war letzte Woche als Nicht-Mitglied beim Hamburger Mensa-Stammtisch, weil ich mir ein Bild darüber verschaffen wollte, ob die Atmosphäre dort etwas für mich ist und ob ich im Falle eines positiven Intelligenztests dort beitreten möchte. Wie im letzten Logbuch schon geschrieben, war ich vom kurzen Beisammensein direkt nach dem Intelligenztest ja bereits sehr angetan.

Am Stammtisch waren ca. 15 Leute im Alter von geschätzt Mitte 20 bis Mitte 50. Nach einer gewissen Anlaufzeit, die ich in neuen Gruppen immer benötige, bin ich im Laufe des Abends mit einigen ins Gespräch gekommen und fühlte mich direkt wohl. Die Leute waren alle supernett und die Themen interessant. Kurzum konnte ich mir nach dem Stammtisch sehr gut vorstellen, Teil der Gruppe zu werden und somit Anschluss an Gleichgesinnte zu finden.

Dazwischen lag allerdings noch mein Testergebnis, denn ich wusste zu dem Zeitpunkt noch gar nicht, ob ich überhaupt Mitglied bei der Mensa werden kann. Witzigerweise habe ich mein Testergebnis am gleichen Tag nach Hause bekommen, es allerdings erst sehen können, als ich nach dem Stammtisch nach Hause kam. Und tatsächlich: Das Testergebnis diagnostiziert mich als hochbegabt und ich habe eine Einladung bekommen, der Mensa beizutreten, welche ich dann auch direkt am nächsten Tag ausgefüllt zurückgeschickt habe. Ich freue mich jetzt sehr darauf, weitere Veranstaltungen zu besuchen und mich mit anderen Mensanern auszutauschen. Interessant ist für mich vor allem, wie andere mit den schwierigen Aspekten der Hochbegabung umgehen.

Psychologie-Fernstudium: Erstes Semester fertig

Ich habe in dieser Woche meine letzte Einsendeaufgabe des Semesters (Thema: Selbstorganisiertes und individuelles Lernen) eingeschickt und habe es somit knapp zwei Monate früher als geplant abgeschlossen. Das zweite Semester wird sicherlich stressiger, denn dort sind drei Klausuren zu schreiben. Von daher bin ich ganz froh, schon früher mit dem Stoff des zweiten Semesters beginnen zu können. Mein Plan ist, die erste Klausur im Fach “Differentielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie” bereits Ende Mai zu schreiben, damit ich am Ende des Semesters (September) nur noch zwei Module zu schreiben habe. Einen entsprechenden Lernplan für die Differentielle Psychologie habe ich mir gestern Abend erstellt.

Fernstudium Psychologie: So lief das erste halbe Semester

Studiengang

Wie hier angekündigt, habe ich am 01.10.2014 ein Fernstudium in Psychologie an der PFH Göttingen begonnen. Das Studium läuft berufsbegleitend und wird bis zum Bachelor voraussichtlich acht Semester (vier Jahre) dauern. Die erste Hälfte des ersten Semesters ist jetzt vorbei und ich möchte hier kurz meine ersten Eindrücke des Studiums wiedergeben und ein erstes Zwischenfazit ziehen.

Ziele des Semesters

Zum erfolgreichen Abschluss des ersten Semesters müssen drei Module bearbeitet werden. Größter Brocken ist das Modul “Statistik 1”, welches als einziges mit einer Klausur abgeschlossen werden muss. Außerdem verlangt es die Teilnahme an vier Online- und einer ganztägigen Präsenzveranstaltung. Eine weitere Onlineveranstaltung muss für das Modul “Durchführung und Präsentation empirischer Untersuchungen” besucht werden. Ansonsten werden genau wie beim dritten Modul im Bunde, “Allgemeine Psychologie 1”, zum erfolgreichen Abschluss nur bearbeitete Einsendeaufgaben benötigt.

Meine Strategie

Ich habe mir vorgenommen, mich von Anfang an ausschließlich mit Statistik zu beschäftigen, damit ich bereits Anfang Dezember die Klausur schreiben kann. Ein ziemlich ambitionierter Plan, den ich deshalb aufgestellt habe, weil ich bereits ein Wirtschaftsinformatikstudium hinter mir und dadurch etwas Vorwissen habe. Außerdem waren die mathematischen Fächer immer meine besten und meine Hoffnung war, dass ich deshalb den Stoff schnell verstehen kann. Der Plan ist soweit aufgegangen: Ich habe an allen Onlineveranstaltungen und dem Präsenzseminar teilgenommen und am 07.12. die Klausur geschrieben. Somit kann ich mich in der zweiten Hälfte des Semesters voll auf die Einsendeaufgaben konzentrieren. Ich muss aber zugeben, dass ich meinen Plan in einigen Momenten bereut habe. Vermutlich wäre mein Semester insgesamt entspannter gewesen, wenn ich Statistik erst im März geschrieben hätte. Aber natürlich bin ich jetzt richtig froh, die Klausur hinter mir zu haben und würde es beim nächsten Mal vermutlich wieder genauso machen.

Zeitlicher Aufwand

Die PFH spricht auf ihrer Seite von einem wöchentlichen Aufwand von 20-25 Stunden, den man in das Studium investieren muss. Diesen Richtwert erfülle ich bei weitem nicht und kann ihn auch in Zukunft nicht erfüllen. Mein Umfeld sieht so aus, dass ich Vollzeit arbeite und eine Familie mit einem einjährigen Sohn habe, die unter meinem Studium nicht leiden soll. Daher beschränkt sich mein Lernaufwand bisher auf 1-2 Stunden abends, wenn mein Sohn schläft. So komme ich auf höchstens zehn Stunden Lernen pro Woche, die hoffentlich ausreichen werden. Das zu testen war auch ein Grund für mich, mich für die frühe Statistikklausur zu entscheiden. Das hat mit dem Aufwand recht gut funktioniert, die richtige Feuerprobe kommt aber im zweiten Semester, wenn drei Module bearbeitet und durch jeweils eine Klausur abgeschlossen werden müssen.

So lerne ich

Ich habe so angefangen, dass ich zuerst einen Lehrbrief komplett gelesen habe, ihn dann nochmal zusammen mit den vorgegebenen Lernzielen durchgegangen bin und dabei aus den relevanten Punkten Lernkarten erstellt habe. Nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass diese Vorgehensweise für die Zeit, die ich investieren kann, zu langsam ist. Also bin ich dazu übergegangen, direkt beim ersten Lesen mit Hilfe der Lernziele Lernkarten zu erstellen. Natürlich habe ich darauf geachtet, dass ich die Dinge, die ich aufgeschrieben auch verstanden habe. Die Bereiche der Lehrbriefe, die laut den Lernzielen nicht relevant waren, habe ich ausgelassen. Als Tool für die Lernkarten benutze ich übrigens die App Flashcards Deluxe für das iPad. Bis zum Präsenzseminar, das genau eine Woche vor der Klausur stattfand, habe ich den Stoff ausschließlich mit Hilfe der Lernkarten gelernt. Am Präsenzseminar selbst sowie in der Woche direkt vor der Klausur habe ich Übungsaufgaben sowie die Probeklausur bearbeitet.

Termine

Für die Teilnahme an einer Onlinevorlesung standen je drei Termine zur Auswahl, aus denen man sich einen passenden aussuchen konnte. Einer davon lag immer auf einem Wochentag morgens von 9-11 Uhr, die anderen beiden lagen auf zwei aufeinanderfolgenden Wochentagen abends von 18-20 Uhr. Für die Präsenzveranstaltung stand für jeden der drei Studienorte (Göttingen, Berlin und Ratingen) genau ein Termin an einem Samstag von 9-17 Uhr zur Auswahl. Mittlerweile wurde der gesamte Zyklus aus Online- und Präsenzseminaren verdoppelt, so dass es auch in der zweiten Hälfte des Semesters die Möglichkeit zur Teilnahme gibt. Für das Schreiben der Statistikklausur standen mir zwei Termine zur Verfügung: ein Sonntag im Dezember oder ein Samstag im März, jeweils von 9-11 Uhr. Generell wird jede Klausur vier mal jährlich angeboten.

Betreuung der PFH und Lehrbriefe

Die Betreuung durch die PFH habe ich noch gar nicht recht in Anspruch genommen. Im Zuge des Lesens der Statistiklehrbriefe habe ich eine fachliche Frage per E-Mail gestellt, die sehr schnell und hilfreich durch den Professor beantwortet wurde. Die Lehrbriefe sind gut zu lesen und beinhalten alles, was man für die Klausur wissen muss. Es wird also keine Sekundärliteratur benötigt. Das ist definitiv besser als so manches zusammenkopiertes Skript, das man an einer Präsenzuni bekommt.

Vorläufiges Fazit

Bisher habe ich noch keine Sekunde bereut, das Studium begonnen zu haben. Und das, obwohl die inhaltlich interessanten Module erst ab dem zweiten Semester behandelt werden. Das Lernen macht Spaß und bisher klappt es auch gut, es mit meinem Leben zu vereinen. Ich hoffe, das werde ich auch in Zukunft hinbekommen. In den nächsten Wochen werde ich mich mit den ausstehenden Einsendeaufgaben beschäftigen um das erste Semester erfolgreich abzuschließen und dann freue ich mich auf das nächste Semester!

Zurück auf die Schulbank

Nachdem ich nun schon seit gefühlten Ewigkeiten nach einer Tätigkeit suche, die mir Spaß macht und die mich erfüllt, ist sie mir diese Woche endlich vor die Füße gefallen. Mir ist aufgefallen, dass sich Artikel und Bücher, die ich lese, fast ausschließlich um Themen drehen, die mehr oder weniger mit Psychologie zu tun haben. Ich verschlinge das Thema schon seit längerem ohne es zu merken.

Die logische Folgerung aus dieser Erkenntnis ist, dass ich es zu mehr machen möchte, als mich nur darüber zu informieren. Es wäre toll, wenn ich irgendwie meinen Beruf um die Psychologie erweitern könnte. Als ich mir die verschiedenen Felder der Psychologie angeschaut habe, wurde ich erstmal erschlagen. Das sind echt viele. Und fast alle davon finde ich echt interessant! Den meisten (inkl. mir) ist ja nur die klinische Psychologie bekannt, die mich wiederum nicht anspricht.

Besonders cool wären für mich Tätigkeiten auf der Schnittstelle zwischen Informatik und Psychologie. Das ist ein Bereich, der in Zukunft voraussichtlich immer größer wird und neue Berufsfelder entstehen lassen wird, die man sich heute nichtmal vorstellen kann. Stellvertretend genannt sei hier der Bereich der künstlichen Intelligenz.

Ich möchte mir die Tür zu solchen Berufsmöglichkeiten gern öffnen. Was brauche ich dafür? Ganz einfach, vorausgesetzt wird lediglich ein abgeschlossenes Studium der Psychologie. Ohne geht da nichts. Natürlich nicht ganz einfach, im ersten Moment habe ich das natürlich als völlige Utopie abgetan. Aber informiert habe ich mich trotzdem. Es gibt in Deutschland zwei Möglichkeiten, ein Bachelorstudium in Psychologie als Fernstudium in Teilzeit berufsbegleitend zu absolvieren: an der FernUniversität Hagen und an der PFH Private Hochschule Göttingen.

Je mehr ich mich über die Studieninhalte und Erfahrungen von Studenten informiert hatte, desto mehr Lust bekam auch ich auf das Studium. Die einzige (und entscheidende) offene Frage für mich ist: Lässt sich ein solches Studium zeitlich mit meinem Leben aus Vollzeitjob und Familie vereinbaren? Eine Frage, die sich abschließend wohl nur durch Ausprobieren beantworten lässt. Zumindest habe ich dadurch, dass ich als Freiberufler tätig bin, die Möglichkeit, auch mal im Job etwas zurückzutreten, falls es eng wird. Und so habe ich mich gestern Abend auf einen Studienplatz an der PFH beworben und werde, falls meine Bewerbung Erfolg hat, im Oktober mein Fernstudium beginnen. Ich kanns kaum erwarten!

Selbstfindung nach Myers-Briggs

Ich bin sehr daran interessiert, über mich selbst zu lernen. Hintergrund ist, dass ich auf der Suche nach meinem Lebensziel bin bzw. nach dem, womit ich mich im Leben beschäftigen möchte und was ich tun kann, um die Welt – und sei es nur im sehr kleinen – zu verbessern. Komischerweise hat mich dabei aber noch nie das riesige Feld der Persönlichkeitstests mit dem Myers-Briggs Type Indicator (MBTI) an der Spitze interessiert.

Neulich stieß ich allerdings in einem Blog über Introvertiertheit, das ich regelmäßig lese, auf einem Artikel über INFPs, einem der 16 Persönlichkeitstypen des MBTI. Beim Lesen des Artikels wäre ich vor Erstaunen fast vom Stuhl gekippt, denn was ich dort las, war genau eine Beschreibung von mir selbst. Ohne überhaupt je in Berührung mit dem MBTI gekommen zu sein, war ich mir sofort sicher, dass auch ich ein INFP bin.

Auf der Suche nach weiteren Informationen zu INFPs bin ich auf die Seite 16personalities.com gestoßen, die online kostenlose Persönlichkeitstests anbieten und den passenden MBTI-Typ ermitteln. Das funktioniert so, dass man eine ganze Reihe Aussagen (z.B. “Du findest es einfach, dich anderen Leuten vorzustellen.”) präsentiert bekommt, die man auf einer fünfstufigen Skala von “Ich stimme völlig zu” bis “Ich stimme überhaupt nicht zu” bewerten soll.

Tatsächlich war auch hier mein Ergebnis INFP. Von der Genauigkeit der Beschreibung war ich dermaßen begeistert, dass ich direkt das In-Depth-Profil zum INFP von der Seite gekauft habe.

Nachdem die erste Begeisterungswelle abgeflacht war, wollte ich dann aber doch wissen, wie und warum das ganze funktioniert. Leider stellte sich ziemlich schnell heraus, dass der MBTI keine wissenschaftliche Basis hat. Natürlich sind unsere Persönlichkeiten viel zu verschiedenartig und tiefgründig, als dass sie sich in 16 feste Typen pressen lassen. Vielmehr trägt jeder Mensch alle 16 dieser Typen in sich.

Der MBTI ermittelt im Prinzip Präferenzen, d.h. in den vier Bereichen, die er abdeckt, versucht er für die Testperson zu ermitteln, in welcher Richtung sie sich wohler fühlt. Die 16 Typbeschreibungen des MBTI werden genauer und treffender, je stärker die Präferenzen der Testperson sind. Bei mir z.B. waren die Ausschläge in Richtung INFP sehr stark, so dass die Typbeschreibung dann tatsächlich im Stande war, mich ins Staunen zu versetzen. Viele Menschen sind allerdings ausgewogen und haben nicht so starke Präferenzen, weshalb sie sich entweder mit mehreren Typprofilen halbwegs identifizieren können, oder eben mit keinem. Und da Präferenzen logischerweise variabel sind, können sich die Testergebnisse bei einem wiederholten Test ändern und auf einen anderen Typ verweisen. Aus u.a. diesen Gründen spielt der MBTI in der Wissenschaft keine Rolle.

Wieso ist dann der MBTI vor allem in Amerika so beliebt? Die 16 Typen des MBTI sind so gestaltet, dass kein Typ einem anderen überlegen ist, sie sind also gleichwertig. Außerdem findet man in den Typbeschreibungen keine negativen Punkte, alle Typen sind rein positiv. Diese beiden Punkte und natürlich die riesige Marketingmaschinerie, die hinter dem MBTI steckt, machen den MBTI gerade für Unternehmen sehr interessant.

Auf Grund der o.g. Schwächen sollte man ihn meines Erachtens allerdings nicht für wichtige private oder berufliche Entscheidungen zur Rate ziehen. Dennoch, ich finde, wenn man etwas über sich selbst und seine Persönlichkeit lernen will, ist der MBTI ein sehr guter Einstieg und ich freue mich auch darauf, das gekaufte In-Depth-Profil (übrigens ein ca. 80-seitiges PDF) zu lesen.

Bei der wissenschaftlichen Persönlichkeitsforschung steht übrigens das Modell der Big Five derzeit hoch im Kurs. Dieses allerdings zeigt nicht nur positive Eigenschaften auf, sondern auch negative (z.B. Neurotizismus), weshalb es im Mainstream wohl nicht so gut ankommen wird. Außerdem steht kein finanzstarkes Unternehmen dahinter, welches das Verfahren in die großen Konzerne bringen kann.

Das sollen aber natürlich keine Bewertungskriterien für das Modell sein, wer sich ernsthaft für seine Persönlichkeit interessiert, sollte sich auch damit beschäftigen. Und genau das werde ich in naher Zukunft tun und gegebenenfalls meine Gedanken dazu hier kund tun. Natürlich würden mich auch eure Gedanken zu Persönlichkeitstests im Allgemeinen und MBTI bzw. Big Five im speziellen interessieren.