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“Candid Camera” by Neil Moralee is licensed under CC BY-NC-SA 2.0

Wie ich meine umständliche Kameraausrüstung mit einer kleinen Anschaffung alltagstauglich gemacht habe

Ich fotografiere gern. Vor ein paar Jahren habe ich mir wegen eines Urlaubs mal eine Einsteiger-Systemkamera gekauft und irgendwann durch meine aktuelle Fujifilm X-T20 ersetzt. Das Problem war: Ich hatte sie fast nie dabei und nutzte sie nur in ganz wenigen Situationen, wie zum Beispiel im Urlaub.

Das fand ich doof. Da hat man eine gute Kamera, die Spaß macht und fantastische Bilder erzeugt, und macht die meisten Schnappschüsse doch mit dem Handy. Ich habe mich gefragt, woran das liegt. Mir sind zwei Gründe eingefallen: Erstens dachte ich meistens überhaupt nicht daran, meine Kamera mitzunehmen, wenn ich das Haus verließ. Ich musste mir sie also ins Bewusstsein rufen. Der zweite Grund, der vermutlich die Ursache für das fehlende Bewusstsein war, war meine umständliche Ausrüstung, die die Nutzung der Kamera unterwegs ungemein erschwert hat. Ich weiß nicht, wieso ich nicht früher darauf gekommen bin, daran etwas zu ändern.

Umständliche Ausrüstung

Meine Ausrüstung war historisch gewachsen. Ursprünglich war bei der Kamera ein klassischer Tragegurt dabei, den man sich um den Hals hängt. Den habe ich anfangs auch genutzt. Das war aber unpraktisch, denn unsere Kinder saßen damals noch im Kinderwagen und jedes Mal, wenn ich mich über sie gebeugt habe und die Kamera dabei vor meiner Brust baumelte, ist sie den Kindern vor den Kopf geschlagen. Ich habe mir schnell einen Tragegurt gegönnt, bei dem die Kamera seitlich am Körper hängt und womit man sie einfach nach oben ziehen kann, wenn man ein Foto machen möchte. Als Kameratasche hatte ich zunächst eine kleine Neoprentasche ohne Gurt, die man einfach in einen Rucksack reinwerfen kann. Als dann ein zweites Objektiv dazukam, wurde diese aber zu klein und ich habe mir eine etwas größere Kameratasche zum Umhängen gekauft.

Diese Kombination aus Gurt und Tasche war das, was am meisten gestört hat. Unterwegs war meine Ausrüstung zunächst komplett in der Umhängetasche verstaut. Zum Fotografieren musste ich die Umhängetasche abnehmen und meinen Tragegurt anlegen. Damit hing die Kamera rechts an meine Körper. Dann musste ich die Umhängetasche wieder umhängen, was dann logischerweise nur noch so möglich war, dass sie links am Körper hängt. Das Ablegen des Gurtes und Verstauen der Kamera war dann wieder genauso umständlich. Ein weiterer Nachteil meines Gurtes war, dass er über die Schraube für eine Stativplatte an der Kamera befestigt ist. Diese Schraube ist so groß, dass sie das Fach, in dem der Akku und die SD-Karte drin sind, verdeckt. Ich musste also jedes Mal, wenn ich den Akku laden oder die Bilder auf mein iPad übertragen möchte, den Gurt abschrauben. Eine Nutzung der Kamera im Alltag war für mich mit diesem Setup absolut nicht wünschenswert.

Die Lösung

Was also tun? Ich habe mich dafür entschieden, dass die Umhängetasche bleibt. Wenn ich mit meiner Ausrüstung fotografieren gehen möchte, ist sie einfach praktisch. Ich möchte die Kamera allerdings schnell benutzen und auch wieder verstauen können. Daher habe ich mich dafür entschieden, den Tragegurt auszutauschen. Stattdessen habe ich mir eine Handgelenkschlaufe gekauft. Diese wird an einer der normalen Gurthalterungen der Kamera angebracht und trägt nur minimal auf. Wenn ich ein Foto machen möchte, nehme ich die Kamera einfach aus der Umhängetasche und befestige sie an meinem Handgelenk. Wenn ich sie nicht mehr benötige, kann ich sie einfach wieder in die Umhängetasche legen. Mit der Handgelenkschlaufe bin ich auch viel flexibler, was meinen Bewegungsradius mit der Kamera angeht, denn mit meinem seitlichen Tragegurt konnte ich sie lediglich an diesem entlangschieben und es war teilweile schwierig, zum Beispiel im Hochformat zu fotografieren. Wenn ich fotografieren möchte, entfällt nun also die lästige und unnötige Umrüstzeit.

Größe und Gewicht

Das allein hat schon ausgereicht, um die Kamera für mich alltagstauglich zu machen. Anfangs hatte ich mir außerdem noch über Gewicht und Größe der Kamera inklusive Objektiv Gedanken gemacht. Der Body meiner X-T20 ist gar nicht mal so klobig, für eine hochwertige Systemkamera sogar recht kompakt. Die Größe und das Gewicht kommen von den Objektiven. Beim Kauf habe ich als Kit-Objektiv ein lichtstarkes 18-55mm Objektiv gewählt, das ich auch heute noch nutze. Dieses ist bereits recht groß und schwer und ich hatte erwartet, dass ich das Objektiv gegen ein kleineres und leichteres austauschen muss, um die Kamera für mich alltagstauglich zu machen. Ich hatte gar in Erwägung gezogen, mir auf Kosten der Performance das 27mm Pancake-Objektiv zuzulegen, welches in Sachen Mobilität das Nonplusultra ist. Ich habe jetzt allerdings festgestellt, dass mich mein aktuelles Objektiv im Alltag nicht stört. Daher bin ich nicht mehr bereit, diesen Kompromiss einzugehen, um ein kleineres und leichteres Objektiv zu bekommen. Unabhängig davon überlege ich mir im Moment trotzdem die Anschaffung eines guten Objektivs mit Festbrennweite. Dafür habe ich das 35mm-Objektiv ins Auge gefasst, welches lichtstärker als mein aktuelles ist und auch sonst keine optischen Kompromisse erfordert. Kleiner und leichter als mein Zoom-Objektiv ist es auch allemal.

Fazit

Ich bin jetzt schon einige Wochen mit der neuen Handgelenkschlaufe unterwegs und meine Erfahrungen damit sind super. Allein in den letzten zwei bis drei Wochen habe ich mehr mit der Kamera fotografiert als im gesamten letzten Jahr. Ich habe im Moment richtig Spaß an der Kamera und den daraus resultierenden Fotos.

Welche Ausrüstung nutzt du, um mit deiner Kamera im Alltag zu fotografieren? Oder verzichtest du etwa auch oft auf die Kamera, weil sie zu umständlich ist? Ich freue mich über Deine Antworten in den Kommentaren. Bitte teile den Artikel in Deinem Netzwerk, wenn er Dir gefallen hat. Du kannst mir außerdem auf Twitter folgen.

Candid Camera” by Neil Moralee is licensed under CC BY-NC-SA 2.0.