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Mut zur Verletzlichkeit

In diesem Artikel geht es um ein Buch, das ich kürzlich gelesen habe, und zwar “Daring Greatly: How the Courage to Be Vulnerable Transforms the Way We Live, Love, Parent, and Lead” von Brené Brown. Brown ist eine Wissenschaftlerin, die zu den Themen Verletzlichkeit und Scham forscht. Populär wurde sie durch ihren erfolgreichen TED-Talk The power of vulnerability.

Im Buch geht es um ein Thema, über das ich vor vier Jahren schon einmal geschrieben habe: wie wir viele Aspekte unseres Lebens verbessern können, indem wir den Mut dazu haben, Verletzlichkeit zu zeigen. Der Ausdruck “Daring Greatly” stammt aus der Rede “Citizenship in a Republic”, die Theodore Roosevelt 1910 an der Sorbonne in Paris gehalten hat:

It is not the critic who counts; not the man who points out how the strong man stumbles, or where the doer of deeds could have done them better. The credit belongs to the man who is actually in the arena, whose face is marred by dust and sweat and blood; who strives valiantly; who errs, who comes short again and again, because there is no effort without error and shortcoming; but who does actually strive to do the deeds; who knows great enthusiasms, the great devotions; who spends himself in a worthy cause; who at the best knows in the end the triumph of high achievement, and who at the worst, if he fails, at least fails while daring greatly.
Theodore Roosevelt, “Citizenship in a Republic”, 1910

Im modernen Leben gibt es eine tragische Ironie: viele Menschen fühlen sich voneinander isoliert durch Gefühle, die sie gemeinsam haben, z.B. Versagensangst oder das Gefühl, nicht genug zu sein. Das Ziel Browns ist es, Menschen zu vermitteln, wie man ein großherziges Leben (im Original: Wholeheartedness) führt. Das beinhaltet den Mut, Unsicherheit, Sichtbarkeit und emotionale Risiken zu konfrontieren sowie das Wissen, dass man genug ist.

Was läuft in unserer Kultur schief?

Ein Problem in unserer Kultur ist Narzissmus. Brown definiert Narzissmus als die auf Scham basierende Angst davor, gewöhnlich zu sein. Wir haben Angst davor, nie außergewöhnlich genug zu sein um bemerkt zu werden, geliebt werden zu können, dazuzugehören oder einen Lebenszweck zu erschaffen. Die unterliegende kulturelle Botschaft lautet: “Ein gewöhnliches Leben ist ein bedeutungsloses Leben!

Ein weiteres Problem ist die ”Nicht genug”-Kultur. Ein Großteil unserer Gedanken dreht sich tagein tagaus darum, was gerade nicht genug ist. Wir vergleichen alles mit einer mediengetriebenen oder einer selbst ausgedachten Vision von Perfektion.

Überwindung von Scham

Wie anfangs bereits erwähnt, ist ein Ziel eines großherzigen Lebens der Mut, Verletzlichkeit zu zeigen. Hier zeigt Brown ein weiteres Paradox in unserer Kultur auf: Verletzlichkeit nehmen wir bei anderen Menschen als Mut, bei uns selbst aber als Schwäche wahr.

Wenn wir nicht gut darin sind, Verletzlichkeit zu zeigen, sind wir meist umso besser darin, uns zu schämen. Dabei hängt unser Selbstwertgefühl komplett davon ab, ob andere mögen, was wir tun oder nicht. Wenn wir es schaffen, Scham zu überwinden, können wir das Feedback zu dem, was wir tun, komplett von unserem Selbstwertgefühl trennen. Das macht es viel einfacher, mutig zu sein und unsere Talente zu teilen. Theoretisch ist die Überwindung von Scham extrem einfach: Scham löst sich auf, wenn man darüber spricht, am besten mit jemandem, der sich empathisch zeigt. Wir müssen Scham überwinden, um verletzlich sein zu können. Wenn wir Scham überwinden und stattdessen verletzlich sind, können wir nach einem Misserfolg sagen, dass wir nur mutig waren und es nochmal versuchen. Wenn wir allerdings den Scham gewähren lassen, versuchen wir es nach einem Misserfolg nie wieder.

Wichtige Voraussetzungen für Verletzlichkeit

Um Verletzlichkeit zeigen zu können, muss man zwingend Selbstmitgefühl entwickeln. Dazu gehört, warmherzig und verständnisvoll zu sich selbst zu sein anstatt den Schmerz zu ignorieren und Selbstkritik zu üben (Selbstliebe). Außerdem muss man das eigene Leid und die schlechten Gefühle sich selbst gegenüber als menschlich ansehen und nicht nur auf sich selbst beziehen (gemeinsame Menschlichkeit). Zuletzt muss man ausgeglichen auf negative Gefühle und Emotionen reagieren, nichts sollte unterdrückt oder überbewertet werden (Achtsamkeit).

Eine weitere wichtige Voraussetzung für Verletzlichkeit ist ein Gefühl der Zugehörigkeit. Hierbei handelt es sich um das menschliche Verlangen, zu etwas dazuzugehören, das größer ist als man selbst. Ein Gefühl der Zugehörigkeit kann nur entstehen, wenn wir unser authentisches, unperfektes Selbst präsentieren. Dadurch kann es niemals größer sein als unser Maß an Selbstakzeptanz.

Die letzte Voraussetzung, auf die ich hier eingehen möchte, ist ein vernetztes Leben. Dazu gehört es, Grenzen zu setzen und weniger Zeit damit zu verbringen, unwichtige Leute zufrieden zu stellen. Stattdessen muss man den Wert darin erkennen, an Beziehungen mit der eigenen Familie und engen Freunden zu arbeiten.

Großherzige Erziehung

Im letzten Kapitel des Buches beschreibt Brown, wie wir ihre Forschungsergebnisse in der Kindererziehung anwenden können. Eine zentrale Aussage ist, dass die Frage der richtigen Erziehung nicht so wichtig ist wie die Frage danach, ob man selbst ein solcher Erwachsener ist, zu dem man sein Kind gern werden sehen möchte. Wenn wir also wollen, dass unsere Kinder sich selbst akzeptieren und lieben, dann müssen wir uns selbst akzeptieren und lieben!

What we areteaches the child more than what we say, so we must be what we want our children to become.
Joseph Chilton Pearce

Was wir als Kind über uns selbst und darüber, wie wir mit der Welt interagieren, lernen, sorgt entweder dafür, dass wir einen signifikanten Teil unseres Lebens damit verbringen müssen, uns unseren Selbstwert zurückzuerkämpfen, oder stattet uns mit Hoffnung, Mut und Widerstandsfähigkeit für unsere Reise aus. Großen Wert legt Brown darauf, wie wir mit Kindern sprechen wenn sie eine falsche Entscheidung getroffen haben. Sie sollen sich schuldig fühlen (“mein Verhalten war schlecht”), sich aber nicht schämen (“ich bin schlecht”). Folgendes Zitat hat mir diesbezüglich sehr gefallen:

„Charlie also gets the distinction between shame and guilt. When I found our dog pulling food out of the trash can, I scolded her by saying ‚Bad Girl!‘ Charlie came sliding around the corner, shouting, ‚Daisy is a good girl who made a bad choice! We love her! We just don‘t love her choices!“

Fazit

Mich hat das Buch sehr angesprochen. Ich habe mich mit vielen Aussagen identifizieren können, denn auch ich leide unter Scham und zeige deshalb oft nicht viel von mir. Damit einher geht, dass Browns Definition von Narzissmus auf mich ebenfalls gut passt. Ich hoffe, dass ich den Scham mit dem, was ich aus diesem Buch mitgenommen habe, bekämpfen kann und in Zukunft in der Lage bin, mehr von mir zu zeigen. Das halte ich für eine wichtige Voraussetzung dafür, mich mit anderen Menschen vernetzen zu können. Ich denke, Brené Brown würde mir zustimmen.

Ich bin Malala

“‘Wenn du etwas ganz fest willst, dann wird das Universum darauf hinwirken, dass du es erreichen kannst’, heißt es in dem Roman [Der Alchimist, Anm. von mcflash99]. Ich glaube, Paulo Coelho ist noch nie Taliban oder einem unserer unfähigen Politiker begegnet.”

Vor kurzem habe ich das Buch “Ich bin Malala: Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft” von Malala Yousafzai gelesen.

Malala ist ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, als sie im Oktober 2012 in ihrer Heimat Pakistan von den Taliban durch einen Kopfschuss fast ermordet worden wäre, weil sie sich für ein Recht auf Bildung für Mädchen einsetzte. Die damals 15-jährige überlebte den Angriff, hielt 2013 eine Rede vor den Vereinten Nationen und bekam 2014 den Friedensnobelpreis als jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Nobelpreises.

In ihrem Buch beschreibt Malala autobiografisch ihre Kindheit im Swat-Tal und geht dabei sehr detailliert auf ihre Familie und Freunde ein. Man erfährt viel über die Lebensumstände, die Kultur und die Menschen in Pakistan und darüber, dass sich die Menschen im Swat-Tal eigentlich gar nicht so richtig zu Pakistan zugehörig fühlen.

Das Leben im Swat-Tal war friedlich und frei, viele Familien hatten Fernseher und westliche Medien waren überall zu haben. Darüberhinaus konnte jeder zur Schule gehen. Malalas Vater eröffnete selbst eine Schule und Malala besuchte dort mit ihren Freundinnen den Unterricht. Die Wichtigkeit der Schule und ihre Liebe zum Lernen betont sie immer wieder.

In den Nachwirkungen vom 11. September änderten sich diese Umstände langsam aber stetig: Nach und nach fassten die Taliban immer mehr Fuß im Swat-Tal. Malala erzählt, wie die Taliban es mittels eines zunächst gemäßigten Radiosenders schafften, immer mehr Unterstützung zu bekommen. Mit der Zeit wurden die Botschaften allerdings radikaler und nach und nach wurde das Leben der Einwohner immer weiter beschnitten. Fernseher und DVDs wurden verboten, Schulen geschlossen (später auch gesprengt) und Mädchen wurde es untersagt, Schulen zu besuchen.

Malala besuchte trotzdem immer weiter die Schule ihres Vaters und setzte sich öffentlich für das Recht auf Bildung für Mädchen ein. Nach dem oben beschriebenen Attentat durch die Taliban beschreibt Malala, wie sie wie durch ein Wunder überlebt hat und in ihrer neuen Heimat Birmingham genesen konnte.

In ihrem neuen Leben sieht sie sich erst recht dazu berufen, weiter für das Recht auf Bildung für Mädchen überall auf der Welt zu kämpfen und gründet den Malala Fund.

Ich habe durch das Lesen des Buches eine Menge über eine mir vorher völlig unbekannte Kultur erfahren. Wenn heute in den Medien über die Umstände in Pakistan und die Taliban berichtet wird, ist das für mich deutlich greifbarer als vor der Lektüre. Mehr als einmal standen mir beim Lesen des Buchs die Tränen in den Augen, sowohl aus Unverständnis als auch aus Rührung. Malala ist eine wunderbare Persönlichkeit, die versucht, Änderungen auf dieser Welt herbeizuführen. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass sie damit Erfolg hat!

Indiebookday und was ich sonst so lese

Heutzutage ist fast jeder Tag irgendwas besonderes in den sozialen Netzwerken. Meistens nehme ich das entweder nur beiläufig oder gar nicht zur Kenntnis, und bisher hat auch noch keiner dieser Tage mein Interesse geweckt. Bis letzten Samstag. Da war nämlich Indiebookday. Der Name allein weckte meine Neugier und ich musste mich sofort darüber informieren.

Der Indiebookday ist eine Erfindung des Hamburger mairisch Verlags und die Idee ist, dass an diesem Tag die unabhängigen Verlage unterstützt werden sollen, indem man ein Buch aus einem solchen Verlag kauft und ein Bild davon in den sozialen Netzwerken teilt. Da ich momentan sehr viel lese, fasste ich den Entschluss, mitzumachen, mir ein solches Buch auszusuchen und im Buchladen um die Ecke zu kaufen. Ich habe mich für das Buch “Das achte Leben (für Brilka)” von Nino Haratischwili entschieden. Die Unterstützung für den lokalen Buchladen musste dann leider ausfallen, weil dieser am Samstag nachmittag geschlossen hatte. Da hilft dann auch der beste Wille nichts… Somit habe ich das Buch dann online bestellt und mittlerweile auch bekommen.

Fertig geworden bin ich diese Woche mit den 1.022 Seiten von Ken Follett’s “Winter der Welt”, dem zweiten von drei Bänden der Jahrhundert-Saga. Wie im ersten Band sind die geschichtlichen Fakten akkurat recherchiert und werden in eine spannende Geschichte eingebettet, die mir an manchen Stellen allerdings ein bisschen zu konstruiert wirkte. Das tut meiner Begeisterung allerdings keinen Abbruch, denn ich bin vor allem wegen der historischen Begebenheiten an dem Buch interessiert. Wie auch schon beim ersten Band habe ich mich dabei erwischt, wie ich Wikipedia-Einträge zu Ereignissen nachgelesen habe, die im Buch beschrieben wurden. Ich freue mich schon auf die Lektüre des dritten Teils, der dann die Zeit des kalten Krieges zum Inhalt haben wird.

Wie man an der Jahrhundert-Saga sowie auch an meiner Wahl des Indiebookday-Buchs sieht, lese ich im Moment sehr gerne historische Romane. Nun habe ich ein Buch begonnen, das weder reines Sachbuch, noch ein Roman ist, und zwar “Hamburger Zeitreise: 12 Jahrhunderte Stadtgeschichte”, welches ich im Hamburg Museum erstanden habe. Wie der Name schon sagt, geht es hier um die Geschichte Hamburgs vom 9. Jahrhundert bis heute. Von jedem Jahrhundert werden die geschichtlichen Ereignisse und die wichtigsten Persönlichkeiten beschrieben. Der Hauptinhalt des Buches sind aber Kurzgeschichten zu jedem Jahrhundert, die darstellen sollen, wie die Menschen in der jeweiligen Zeit gelebt haben. Diese Geschichten sind fiktiv, aber alle bekannten historischen Fakten werden berücksichtigt. Ich bin gespannt, ob das Buch für mich, der mit der Hamburger Geschichte bisher noch gar nicht vertraut ist, der richtige Einstieg ist.

Das Drachenblut investiert in Pilzwiesen

In meinem wöchentlichen Logbuch lasse ich meine letzte Woche Revue passieren und schreibe über die Dinge, die mich gerade beschäftigen.

Geldanlage

Wie letzte Woche schon beschrieben, lese ich mich gerade in das Thema “persönliche Finanzen” ein. Um selbige habe ich mich bisher nie besonders gekümmert. Mittlerweile bin ich mit dem Buch Cashkurs von Dirk Müller (sehr gutes Buch übrigens!) durch und habe mich dazu entschlossen, die Geschicke meines Geldes selbst in die Hand zu nehmen.

Ein wichtiger Punkt, den ich im Buch gelernt habe, ist, dass sich Investitionen und Ethik nicht ausschließen und genau das ist mir bei jedweden Entscheidungen, die ich treffe, wichtig. Im Buch werden einige Negativbeispiele für Aktivitäten am Kapitalmarkt erklärt, die Leid im großen Stil erzeugen (Spekulationen mit Lebensmitteln zum Beispiel) und dennoch unverständlicherweise legal sind.

Ethisch korrekt kann man investieren (man beachte den Unterschied in der Wortwahl: investieren vs. spekulieren), indem man Aktien von Unternehmen kauft, hinter denen man selbst steht (also nicht unbedingt von Rüstungskonzernen, vielleicht aber von Unternehmen der erneuerbaren Energien). So stellt man diesen Geld zur Verfügung, das diese wiederum zur Durchführung ihres Geschäfts verwenden, und wird als Gegenleistung am Gewinn beteiligt.

Zocken

Vor längerer Zeit habe ich ja geschrieben, dass ich meine Xbox 360 entstaubt und Skyrim angefangen habe. Mittlerweile habe ich ca. 30 Spielstunden hinter mir und es ist noch lange kein Ende in Sicht. Ich habe eine Menge Quests erledigt und den Sturmmänteln dabei geholfen, Einsamkeit einzunehmen (sprich: die Questreihe ist abgeschlossen). Mit den ganzen Handwerkstätigkeiten oder Wohnung kaufen habe ich mich noch garnicht beschäftigt und das reizt mich auch nicht.

Mein Charakter ist jetzt Level 15, hat eine ganz passable Ausrüstung und ich bin jetzt bereit, das Spiel für mich abzuschließen, d.h. fokussiert die Hauptquests anzugehen. Ich kann nicht einschätzen, wie lange das noch dauern wird, aktuell muss ich die Schriftrolle der Alten finden, um damit in die Vergangenheit zu reisen, wo ich einen Schrei lernen kann, der in der Gegenwart den bösen Drachen besiegt.

Wenn ich das fertig habe, habe ich noch ein paar ungespielte Spiele rumliegen, die ich auf jeden Fall zumindest noch anspielen möchte, bevor ich mich der alles entscheidenden Frage stellen muss: Playstation 4 oder Xbox One. Habt ihr dazu eine Meinung? Fast alle, die ich kenne, bevorzugen das Gerät von Sony.

Schlemmen

Meine Eltern waren zu Besuch in Hamburg und ein Familienbesuch bedeutet auch immer, dass geschlemmt wird. Diesmal waren wir im Tassajara in Eppendorf, einem bereits seit 1976 bestehenden, rein vegetarischen Restaurant. Viele der Speisen sind entweder eh vegan oder in einer veganen Variante bestellbar und die Qualität der Speisen ist wahnsinnig gut. Absolut zu empfehlen, auch wenn der Anlass mal ein etwas feinerer ist. Ich bin übrigens großer Fan der Pilzwiese 🙂

Ungesellig, finanzinteressiert, berufswechselwillig

In meinem wöchentlichen Logbuch lasse ich meine letzte Woche Revue passieren und schreibe über die Dinge, die mich gerade beschäftigen.

Stark tagesformabhängige Geselligkeitsenergie

In dieser Woche hatte ich relativ viele berufliche Meetings sowie den Mensastammtisch in der Freizeit. Dabei ist mir wieder mal richtig bewusst geworden, wie stark tagesformabhängig meine Energie dafür ist, mich in Gruppengesprächen einzubringen. Während es in einigen dieser Veranstaltungen sehr gut lief, hatte ich eine richtig grauenhafte dabei, in der ich mich zu fast gar keinem Wort durchringen konnte. Das lag nicht daran, dass ich nichts hätte beitragen können, mir lag sogar oft etwas auf der Zunge. Allerdings habe ich mich wie gelähmt gefühlt und es nicht geschafft, die Energie aufzubringen, meine Beiträge auszusprechen. Das war eine richtig schlimme Erfahrung, die mir zeigt, dass ich noch nicht so weit bin, wie ich eigentlich dachte und dass ich wieder härter an meinen sozialen Skills arbeiten sollte. Ich sehe es jetzt positiv, dass das Thema durch dieses Erlebnis wieder in meinem Bewusstsein ist und dass ich mich selber in nächster Zeit in sozialen Situationen bewusst wieder mehr pushen kann.

Cashkurs

Ganz anderes Thema: das liebe Geld. Ein trockenes, unsympathisches Thema, an dem ich bislang in meinem Leben noch nie ein Interesse hatte. Mittlerweile stört mich aber jedes Thema sehr, bei dem ich völlig unwissend von anderen abhängig bin. Wenn ich sehe, wie Kunden bei Themen beraten werden, bei denen ich mich auskenne (Elektrofachmärkte), dann stellt sich mir die Frage, ob mich ein Bankberater nicht auch so über den Tisch ziehen würde, wenn ich ahnungslos z.B. nach einer guten Anlagemöglichkeit fragte. Also habe ich den Entschluss gefasst, mich selber aufzuschlauen und meine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Zu diesem Zweck habe ich mir das Buch Cashkurs von Dirk Müller gekauft und in ein paar Tagen schon fasst komplett durchgelesen. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das Thema so begeistern kann: Das Buch ist an Anfänger wie mich gerichtet und beschreibt die wichtigsten Anlageformen, Altersvorsorgen, Versicherungen, Investmentmöglichkeiten usw. sehr unterhaltsam sowie einfach verständlich. Wer also seine persönlichen Finanzen selbst in die Hand nehmen will und noch keinen Schimmer davon hat, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!

Beruflicher Kurswechsel

Mit meiner Tätigkeit als Softwareentwickler bin ich schon seit einiger Zeit nicht mehr so richtig zufrieden. Mir macht zwar die Tätigeit des Programmierens an sich Spaß, mich interessieren Dinge wie Anwendungsdesign oder neue technologische Entwicklungen aber überhaupt nicht. Obwohl ich denke, dass ich einen guten Job mache, glaube ich nicht, dass das eine gute Grundlage ist, diese Tätigkeit auch in ferner Zukunft noch auszuüben. Letztlich ist das sicherlich auch ein Mitgrund dafür, dass ich im Oktober ein Psychologiestudium angefangen habe.

Weil ich überhaupt noch keine Vorstellung davon habe, was für eine Tätigkeit ich in Zukunft ausüben könnte, beobachte ich seit einiger Zeit, welche Aspekte meiner Arbeit mir Spaß machen und welche nicht. Momentan habe ich das Glück, etwas vielfältigere Aufgaben zu haben und habe dabei festgestellt, dass es mir richtig Spaß macht, wenn es entweder um fachliche Themen (was wünscht sich der Kunde?) oder um die Arbeitsmethodik (Wie arbeiten wir als Team zusammen?) geht. Wenn es um die mögliche technische Umsetzung geht, also der Bereich, für den ich eigentlich zuständig bin, habe ich hingegen weniger Spaß. Da liegt die Schlussfolgerung nahe, dass ich mich in Zukunft eher aus der Technik entfernen und eher hin zur methodischen Beratung orientieren sollte.

Die offensichtliche Position dafür wäre die des Scrum-Masters, die ich mir im Moment sehr gut vorstellen könnte. In dieser Rolle müsste ich mich auch nicht mehr unbedingt mit dem umzusetzenden Produkt identifizieren, was mir in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn ohnehin noch nie gelungen ist. Außerdem würde ich dort auch mein Wissen aus dem Psychologie-Studium wunderbar einsetzen können. Für den Rest des Jahres bin ich auf jeden Fall noch als Softwareentwickler im Einsatz. Ein möglicher Plan wäre jetzt gegen Ende des Jahres eine Zertifizierung als Scrum Master zu machen um dann im nächsten Jahr zu versuchen, eine entsprechende Stelle zu bekommen.

Das historische Feierbiest frisst Pizza

In meinem wöchentlichen Logbuch lasse ich meine letzte Woche Revue passieren und schreibe über die Dinge, die mich gerade beschäftigen.

So viele Parties

Zu den Dingen, die ich momentan fast gar nicht mehr tue, gehört definitiv das Feiern gehen. Die ersten Wochen des Jahres waren diesbezüglich sehr ruhig, doch am letzten Wochenende standen gleich drei Feiern direkt hintereinander an. Es hätte ruhig ein bisschen mehr verteilt sein können, aber man muss die Feste feiern, wie sie fallen 🙂

Los ging es am Donnerstag: Von der Arbeit aus waren wir zu einer Projektfeier geladen. Es ging nachmittags los mit Sektempfang, bevor wir uns auf zwei Reisebusse aufteilten und eine Tour in die Containerterminals des Hamburger Hafens unternahmen. Zunächst schauten wir uns das modernste Terminal der Welt in Altenwerder an, welches vollautomatisch riesige Frachter be- und entlädt. Zu unserem Glück waren grad zwei große Schiffe vor Anker, eines mit Platz für 8.000 und eines mit Platz für 15.000 Standardcontainer á 20 Fuß. Danach haben wir einen kurzen Abstecher in den internationalen Seemannsclub Duckdalben gemacht, bevor wir uns zuletzt noch ein zweites Containerterminal angesehen haben. Zum gemütlichen Teil des Abends sind wir dann ins Portugiesenviertel in ein Rodiziorestaurant gefahren, d.h. dort sitzt man am Tisch und die Kellner kommen mit riesigen Fleischspießen vorbei und schneiden es den Fleischessern direkt auf den Teller. Ein übler Fleischtempel also. Ich habe zwar problemlos reichlich veganes Essen bekommen, allerdings war es schon widerlich, dass mir ständig mit Fleischspießen vorm Gesicht rumgewedelt wurde.

Am Freitag stand dann eine Rückreise in meine alte Heimat an, denn mein Bruder feierte seinen 30. Geburtstag. Dazu gibts garnicht viel zu sagen, außer dass es ne ziemlich coole Party war. Ich habe mittlerweile wirklich Spaß an solchen Familienfeiern. Vor ein paar Jahren war mein Interesse daran noch nicht so hoch…

Die dritte und letzte Feier des Wochenendes fand am Samstag abend wieder in Hamburg in Form eines Geburtstags statt. Nach den drei Tagen war ich ganz schön gerädert, ich bin zu alt für sowas. Da am Sonntag das Wetter mies war, habe ich den Tag im Schlafanzug in der Wohnung verbracht, das war toll!

Vistro Hamburg

Am Montag abend haben wir eine neue vegane Pizzeria ausprobiert: Das Vistro in Bramfeld. Das Besondere daran ist, dass es keine festgelegten Preise gibt, sondern dass sie die Pizzen gegen eine Spende herausgeben. Ein Konzept, dem ich beide Daumen drücke, dass es funktioniert. Die Pizzen könnten etwas größer sein, doch geschmeckt haben sie klasse!

Geschichtstick

Ich lese im Moment grad sehr gern historische Romane. In diesem Zusammenhang möchte ich gern die Jahrhundertsaga von Ken Follett empfehlen, die das 20. Jahrhundert in drei Büchern mit je über 1.000 Seiten in spannender Form nacherzählt. Die fiktiven Geschichten sind in die tatsächlichen Ereignisse eingebettet und ich habe jetzt schon eine Menge gelernt. Im Moment bin ich gerade in der Mitte des zweiten Bands und begeistert!

Mensa

Zum großen Jahrestreffen der Mensa in Deutschland in Köln kann ich in diesem Jahr leider nicht hin, weil ich schon anderweitige Termine habe. Es gibt allerdings auch ein jährliches Treffen der europäischen Mensas, welches jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt stattfindet, in diesem Jahr in Berlin. Dafür habe ich mich angemeldet und freue mich sehr darauf. Morgen steht aber erstmal wieder der monatliche Stammtisch in Hamburg an.

Urlaub unterwegs und zuhause

In meinem wöchentlichen Logbuch lasse ich meine letzte Woche Revue passieren und schreibe über die Dinge, die mich gerade beschäftigen.

Urlaub in England

Wir sind wieder zurück aus dem Kurzurlaub in England. Wir hatten fünf tolle Tage und bis auf den ersten Morgen in Liverpool auch wirklich Glück mit dem Wetter. Liverpool hat mir sehr gut gefallen, wesentlich besser als Manchester, welches wir letztes Jahr besucht haben. Vielleicht liegt das aber auch einfach daran, dass wir dieses Jahr mit unserem Kleinen eine Stadtrundfahrt per Bus machen konnten und so viel mehr über die Stadt erfahren konnten.

Übers Wochenende waren wir dann im schönen Yorkshire, wo wir den Cousin und die Tante unseres Kleinen besucht haben. Auch dort hatten wir eine sehr schöne Zeit. Einen Abend konnten wir uns sogar mal unserer elterlichen Pflichten entledigen und ins Kino gehen. Wir haben den Film “Kingsmen” geschaut, den ich nicht empfehlen kann. Furchtbar albern. Trotzdem war es schön, mal ausgehen zu können.

Einen negativen Schlusspunkt setzte leider – wie auch im letzten Jahr – unsere Rückreise. Im letzten Jahr war das klar unserer Bock, denn wir sind einen Tag früher als gebucht am Flughafen aufgeschlagen und mussten dann noch eine Nacht in einem Hotel in der Nähe des Flughafens warten. In diesem Jahr konnten wir allerdings nichts dafür. Unser Flug sollte um 14:00 Uhr starten, das Gate hat pünktlich geöffnet und das Boarding wurde nach Plan durchgeführt. Vor der letzten Glastür vor dem Rollfeld haben wir dann allerdings eine Stunde gewartet, bevor uns gesagt wurde, dass das Flugzeug kaputt sei und die neue Abflugzeit 17:15 Uhr ist.

Glücklicherweise haben wir unseren Sohn in seinem Kinderwagen zum Einschlafen gebracht, so dass die Wartezeit einigermaßen angenehm war. Als Entschädigung haben wir übrigens unglaublich generöse Einkaufsgutscheine in Höhe von 3 Pfund pro Person bekommen, die nichtmal in jedem Laden eingelöst werden konnten. Kurz vor 16:00 Uhr kam dann die Nachricht, dass wir doch schon gegen 16:15 Uhr starten können und uns wieder zum Gate begeben sollten. Dort wurde wieder das Boarding durchgeführt, diesmal öffnete die Tür zum Rollfeld und die ersten Passagiere betraten das Flugzeug, doch auch dieses Mal wurden wir zurückgepfiffen. Das Flugzeug war immer noch kaputt. Die Crew meldete, dass beim Anlassen des Flugzeuges ein Rauchgeruch im Cockpit auftrat und wollte so (vernünftigerweise!) nicht fliegen.

Mittlerweile sollte am gleichen Gate das Boarding für einen Flug der gleichen Fluggesellschaft nach Kopenhagen stattfinden. Dieser wurde kurzerhand verschoben und wir sollten stattdessen mit deren Flugzeug nach Hamburg fliegen. Doch auch das ging nicht ohne große Zeitverzögerung: Es war schon verdächtig, dass vor der Maschine Polizei und Notarzt standen. Letztendlich hat sich herausgestellt, dass das Flugzeug wohl gerade einen turbulenteren Flug hinter sich hatte und vielen Passagieren schlecht geworden ist. Da musste das Flugzeug dann erstmal durch einen Reinigungstrupp grundgereinigt werden. Als das passiert war, konnten wir endlich rein und sind ohne weitere Zwischenfälle nach Hamburg geflogen. Schlussendlich waren wir erst gegen 22:00 Uhr zuhause.

Urlaub in Hamburg

Diese Woche habe ich noch komplett frei und habe mir vorgenommen, auch in Hamburg mal ein kleines touristisches Programm abzuspulen. Denn obwohl ich schon seit über drei Jahren hier lebe, habe ich nicht das Gefühl, die Stadt sehr gut zu kennen. Gestern habe ich zunächst das Hamburg Museum besucht, das sich nahe der U-Bahn-Station St. Pauli im Planten und Blomen befindet. Hier befinden sich viele Ausstellungen rund um die Geschichte Hamburgs. Ich war sehr begeistert, habe aber letztlich in der kurzen Zeit (ich war nur vormittags dort) nur einen Bruchteil sehen können. Dort werde ich auf jeden Fall in Zukunft nochmal hingehen. Im Museumsshop habe ich mir dann noch das Buch Hamburger Zeitreise: 12 Jahrhunderte Stadtgeschichte mitgenommen, auf das ich sehr gespannt bin.

Heute morgen habe ich dann eine Stadtrundfahrt per Bus mitgemacht. Hier habe ich die sogenannte Gala-Tour, die sowohl die Innenstadt als auch den Hafen umfasst, gewählt. Dir Orte der Innenstadt kannte ich fast alle schon, allerdings habe ich viele geschichtliche Ereignisse und Anekdoten dazu gelernt. Der Hafenbereich südlich der Elbe war hingegen völlig neu für mich und sehr beeindruckend. Der ganze Hafen ist noch viel größer als ich mir das vorgestellt hatte. Highlight dieses Abschnitts war die Fahrt über die Köhlbrandbrücke, die einen Wahnsinnsausblick bot.

Soweit mein Logbuch für diese Woche, vielen Dank fürs Lesen!

Logbuch vom 20.01.2015

Ich möchte ein wenig Leben in mein Blog bringen und in höherer Frequenz Artikel veröffentlichen. Um eine mehr oder weniger große Regelmäßigkeit reinzubringen, starte ich hiermit die Serie “Logbuch”. Im Prinzip greife ich damit die ursprüngliche Idee eines Blogs auf, nämlich eine Art Tagebuch. In der Kategorie möchte ich ca. einmal wöchentlich (nagelt mich nicht drauf fest!) kurz über alles schreiben, was mich gerade bewegt. Und nun gehts auch schon los!

Studium

Neben der Familie und der Arbeit nimmt mein im Oktober begonnenes Fernstudium in Psychologie sicherlich den größten Teil meines Lebens ein. Das erste Semester neigt sich jetzt so langsam aber sicher dem Ende zu und ich liege mit der Erbringung der notwendigen Leistungen echt gut in der Zeit: Die Klausur in Statistik habe ich bestanden, und von den sechs zu bearbeitenden Einsendeaufgaben sind vier abgesendet, zwei davon bereits als bestanden gewertet. Somit werde ich voraussichtlich nicht ganz bis Ende März brauchen um das Semester abzuschließen und kann vielleicht schon etwas früher damit beginnen, den Stoff des zweiten Semesters zu lesen. Dieses wird nämlich hammerhart: drei zu bearbeitende Module, jedes davon ist mit einer Klausur abzuschließen.

Lesen

Fast alles was ich den ganzen Tag tue hat mit lesen zu tun, seien es Onlineartikel, Fernlehrbriefe, Bücher oder E-Mails. Da das Lesen einen so riesigen Teil einnimmt, halte ich es für sinnvoll, mich mal mit einer Schnelllesetechnik zu befassen. Zu diesem Zweck habe ich mir das Buch BrainRead: Effizienter lesen – mehr behalten. Lesen wie die Schweden gekauft und angefangen, es zu bearbeiten. Ich war zwar skeptisch, aber das ganze scheint zu funktionieren: Nach drei Lesetests habe ich meine Effective Reading Rate (Lesegeschwindigkeit unter Berücksichtigung vom Verständnis des Textes) mehr als verdoppelt. Das funktioniert mit dem sogenannten “Chunking”. Wenn man auf Kosten des Textverständnisses noch schneller durch Texte pflügen möchte, wird noch das “Skimming” und das “Scanning” beschrieben, diese interessieren mich derzeit aber weniger, weil ich die Texte, die ich lese, in der Regel vollständig verstehen möchte.

Außerdem habe ich das Buch Hirnrissig: Die 20,5 größten Neuromythen – und wie unser Gehirn wirklich tickt gelesen. Von außen sieht das verdächtig nach Populärwissenschaft aus, aber der Inhalt ist super geschrieben und wissenschaftlich fundiert. Ich habe wahnsinnig viel über unser Gehirn gelernt und kann das Buch sehr empfehlen!

Zu guter letzt haben wir noch ein neues veganes Kochbuch im Schrank: Abgefahrn Vegan – Good Food for Bad Vegans. Natalie Slater präsentiert eine riesige Menge ausgefallener Rezepte, die ich so oder ähnlich noch nicht in anderen Kochbüchern gesehen habe. Bisher habe ich beim Ausprobieren ein Misserfolg (Arme-Ritter-Banane-Cupcakes, war vermutlich mein Fehler) und zwei Riesenerfolge (Black Metal Forest Brownies und Taco Lasagne) zu verzeichnen.

Hochbegabung

Ich lese sehr viele Artikel über Psychologie und bin neulich zufällig auf einen Artikel über Hochbegabung gestolpert. Dabei habe ich verwundert festgestellt, dass echt viele der typischen “Symptome” von Hochbegabten – positive wie negative – auf mich zutreffen. Das hat mich neugierig gemacht. Da ich noch nie einen IQ-Test absolviert habe, habe ich mich mal zu einem Test der Mensa in Deutschland angemeldet. Ich bin gespannt…

Zocken

Früher war ich mal ein leidenschaftlicher Zocker. Mittlerweile fehlt mir da sowohl das Interesse, als auch die Zeit zu. Manchmal habe ich aber Tage, wo ich mal wieder richtig Bock aufs Zocken habe. In der Regel schaue ich mich dann mit dem iPad im App Store um und suche nach Spielen für Zwischendurch. Aber irgendwie habe ich da keine befriedigenden Erfahrungen (bis auf Monument Valley, das ist großartig!), die meisten Spiele sind einfach Zeitverschwendung. Gestern Abend hatte ich dann plötzlich das Verlangen, meine Xbox mal wieder anzumachen und was richtiges zu spielen. Und was tut jemand wie ich, der selten Zeit und Lust zum Spielen hat? Klar, Skyrim kaufen. Super Idee, aber ich hatte Bock drauf. Und dann konnte ich es nichtmal anspielen, weil der Download des Spiels unglaublich langsam war. Na mal sehen, wann ich da das nächste Mal Lust drauf habe…

Sonstiges

Zu guter Letzt bleibt mir der Druck auf die Tränendrüsen, denn am Samstag war der erste trockene und sonnige Tag seit langem und ich habe ihn von morgens bis abends im Büro verbracht. Pfui.

Buchtipp: Eine kurze Geschichte der Menschheit

Ein Buch, dass mich vor Kurzem sehr beeindruckt hat, ist “Eine kurze Geschichte der Menschheit” von Yuval Noah Harari. Auf gut 500 Seiten schafft es Harari, die Geschichte der Menschheit mit allen wichtigen Gabelungen und Entscheidungsmomenten in einer unglaublichen Prägnanz zu skizzieren. Dabei schreibt er aber so locker und interessant, dass ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte.

Wie hat es der Mensch geschafft, sich von einem unbedeutendem Tier, das vor 100.000 Jahren in Ostafrika lebte, zu dem mächtigsten, aber auch zerstörerischsten Lebewesen dieses Planeten zu entwickeln? Dies ist die zentrale Frage, der das Buch nachgeht. Eine andere interessante Frage beschäftigt sich damit, wieso am Ende der Homo sapiens als einzige menschliche Spezies überlebt hat. Es gab nämlich anfangs neben dem Homo sapiens noch mindestens fünf weitere Spezies, die in anderen Gegenden lebten und an diese angepasst waren.

Das Buch ist in folgende vier Teile gegliedert:

  • Die kognitive Revolution
  • Die landwirtschaftliche Revolution
  • Die Vereinigung der Menschheit
  • Die wissenschaftliche Revolution

Das sind Harari nach die vier wesentlichen Meilensteine in der Entwicklung der Menschheit. Die kognitive Revolution vollzog sich von vor ca. 70.000 Jahren bis vor ca. 30.000 Jahren. Die Ursache, wieso sie sich gerade beim Homo sapiens vollzog, ist noch ungeklärt. Sie sorgte aber für Änderungen im menschlichen Gehirn, die es dem Homo sapiens ermöglichten, in größeren Gruppen zusammen zu arbeiten. So waren die Menschen imstande, Mythen zu entwickeln, an die sie gemeinsam glaubten oder über andere Menschen zu tratschen. Vor der kognitiven Revolution konnten die Menschen nur über Tatsachen kommunizieren (“Dort kommt ein Löwe!”).

Aus diesen Mythen heraus entstanden Kulturen, von denen es in der heutigen Zeit eine unüberschaubar riesige und vielfältige Auswahl gibt. Ich als Veganer bekomme oft das Argument zu hören, dass eine vegane Lebensweise unnatürlich ist. Hierzu zitiere ich freudig das Buch:

“Die hitzigen Debatten um die »natürliche Lebensweise« des Homo sapiens übersieht einen ganz entscheidenden Punkt: Seit der kognitiven Revolution haben wir Sapiens keine natürliche Lebensweise mehr. Wir können lediglich aus einer verwirrenden Vielfalt von kulturellen Möglichkeiten wählen.”

BAM!

Vor ca. 12.000 Jahren begann dann die landwirtschaftliche Revolution. Diese war für die Gesamtheit der Menschen ein riesiger Evolutionssprung, für den einzelnen allerdings verschlechterten sich die Lebensumstände im Vergeich zu den Jägern und Sammlern aber:

“Mit der landwirtschaftlichen Revolution nahm zwar die Gesamtmenge der verfügbaren Nahrung zu, doch die größere Menge an Nahrungsmitteln bedeutete keineswegs eine bessere Ernährung oder mehr Freizeit. Im Gegenteil, die Folgen waren eine Bevölkerungsexplosion und die Entstehung einer verwöhnten Elite. Im Durchschnitt arbeiteten die Bauern mehr als die Jäger und Sammler und bekamen zum Dank eine ärmere Kost. Die landwirtschaftliche Revolution war der größte Betrug der Geschichte.”

Ursprünglich lebten die Menschen auf der Erde in ganz vielen verschiedenen kleinen Welten, die voneinander nichts wussten. Heute dagegen leben alle Menschen vereint in einer großen Welt. Im dritten Teil des Buches geht es darum, wie folgende drei Strömungen seit dem ersten Jahrhundert vor Christus dafür sorgten, dass diese Vereinigung der Menschen stattfinden konnte:

  • Wirtschaft: Die Entwicklung des Geldes
  • Politik: Die Entwicklung des Imperialismus
  • Religion: Die Entwicklung der Weltreligionen

Alle drei Zweige beschreibt und analysiert Harari bis ins Detail ohne dabei langweilig oder trocken zu werden. Für mich war es das erste Mal, diese vielen komplizierten Entwicklungen so detailliert und im Zusammenhang zueinander zu sehen.

Im letzten Teil geht es natürlich um die industrielle Revolution und den bis heute immer weiter steigenden Einfluss der Wissenschaften. Endgültig begeistern konnte mich Harari damit, dass er gegen Ende der Erklärung der wissenschaftlichen Revolution ein ganzes Kapitel dem Thema Glück widmete:

“Obwohl sich Geschichtswissenschaftler mit fast jedem erdenklichen Thema beschäftigen – von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft über Geschlechter und Sexualität bis zu Krankheiten, Essen und Kleidung –, haben sie sich nie gefragt, welchen Einfluss das alles auf das Glück der Menschen hat. Das ist die größte Lücke in der Geschichtsschreibung.”

In diesem Kapitel geht er auf die Glücksforschung ein, sowie auf die Definitionen von Glück in verschiedenen Regionen und Religionen der Erde.

Für mich war das Lesen des Buches ein sehr erhellendes Erlebnis und ich kann jedem, der sich nur ein wenig für unsere Geschichte interessiert, ans Herz legen, sich das Buch einmal anzuschauen. Falls ihr mit dem geschriebenen Wort nicht soviel anfangen könnt, sondern lieber Videos schaut: Harari lehrt diesen Stoff auch hier bei Coursera als MOOC (gefunden bei In trockenen Büchern)!

Zum Abschluss gibts noch fünf weitere Zitate aus dem Buch, die ich besonders bemerkenswert fand:

“Für jeden Euro, den eine Bank besitzt, darf sie zehn verleihen, was umgekehrt bedeutet, dass 90 Prozent des Geldes auf unseren Konten nicht durch »echtes Geld« gedeckt ist.”

“Auch der indische Subkontinent wurde nicht vom britischen Staat erobert, sondern von einer Söldnerarmee der British East India Company. Diese Aktiengesellschaft stellte sogar die VOC in den Schatten. Von ihrem Hauptquartier in der Leadenhall Street in London herrschte sie mehr als ein Jahrhundert lang über ein gewaltiges indisches Reich und unterhielt ein Heer, das mit 350000 Soldaten größer war als das der britischen Krone. Erst im Jahr 1858 wurde Indien zusammen mit der Armee des Unternehmens »verstaatlicht«. Napoleon mokierte sich über die Briten und nannte sie eine Nation von Krämern. Doch am Ende besiegten diese Krämer Napoleon und gründeten das größte Weltreich aller Zeiten.”

“Die industrielle Tierhaltung hat genauso wenig mit einem Hass auf Tiere zu tun, wie die Sklavenhaltung mit einem Hass auf Afrikaner zu tun hatte. Das Motiv ist hier wie da die Gleichgültigkeit.”

“Die zwei wichtigsten Beispiele für den Aufstieg der erfundenen Gemeinschaften sind die »Nation« und die »Verbraucher«. Die Nation ist die erfundene Gemeinschaft des Staates. Die Verbraucher sind die erfundene Gemeinschaft des Marktes.”

“Die Ursache des Leids ist nicht die subjektive Empfindung von Schmerz, Trauer oder Sinnlosigkeit. Die Ursache des Leids ist genau diese Jagd nach beliebigen subjektiven Empfindungen, denn sie versetzt uns in einen dauernden Zustand der Anspannung, Verwirrung und Unzufriedenheit.”

Blind Date mit einem Buch

Buchläden spalten mich zwie: Auf der einen Seite mag ich sie und wusel mich sehr gerne durch die Regale, auf der anderen Seite lese ich aber eigentlich nur noch digital und betrete Buchläden deshalb sehr selten. Neulich haben wir auf der Suche nach Glückwunschkarten einen Buchladen in Eppendorf besucht. Dort haben wir eine Aktion gesehen, die uns richtig begeistert und sofort zum Kauf zweier Bücher bewegt hat: Blind Date mit einem Buch. Auf einem eigens dafür hergerichteten Regal sind alle Bücher mit Packpapier eingepackt, so dass man nicht sehen kann um welches Buch es sich handelt. Lediglich in den vier Buchecken stehen ein paar Stichworte zum Inhalt. Somit kann sich die Buchauswahl nicht auf Äußerlichkeiten begründen und man könnte auf diese Weise auf Perlen stoßen, die man auf normalem Wege vielleicht nie ausgesucht hätte. Super Idee!

Als Programmierer drängte sich mir sofort die Frage auf, wie diese Idee digital funktionieren könnte. Die Bücher ohne Cover darzustellen und nach Stichwörtern auszuwählen ist sicher ohne weiteres umsetzbar, aber was soll nach der Auswahl passieren? Einfach dann den Buchtitel zu zeigen klingt wenig spannend. Direkt ein Verkaufssystem anzubinden klingt dagegen aber viel zu komplex. Ich hätte Lust, so etwas zu bauen, aber bisher ist mir noch keine gute und runde Idee gekommen. Für Vorschläge bin ich gern offen.