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So legst du in Things automatisiert Projekte aus einer Vorlage an

Ich lese regelmäßig Sachbücher. Dabei versuche ich, soviel wie möglich zu lernen und das Wissen langfristig zu bewahren. Aus dieser Motivation heraus hat sich mittlerweile ein Workflow aus verschiedenen Schritten etabliert, der sich für jedes Sachbuch wiederholt. Im Moment sind das die folgenden Tätigkeiten:

  1. Projekt in Things anlegen
  2. Seite in meinem Notizbuch anlegen und das Inhaltsverzeichnis übertragen
  3. Das Buch bei GoodReads auf “currently reading” stellen
  4. Buch lesen (dabei Notizen machen)
  5. Buch bei GoodReads auf “read” stellen und bewerten
  6. Notizen digitalisieren
  7. FlashCards in Anki erstellen
  8. Schauen, ob Ideen für Artikel daraus entstehen

Things ist mein Taskmanager, in dem ich alle meine Aufgaben verwalte und den ich sowohl auf dem Mac als auch auf iPad und iPhone installiert habe. Durch das Anlegen eines Projekts für das Buch in Things (Schritt 1) stelle ich sicher, dass ich keinen der Schritte vergesse. Die Schritte zwei bis acht sind einzelne Todos in dem angelegten Projekt.

Mich hat genervt, dass ich jedes Mal, wenn ich ein neues Buch anfange, diese Aufgaben manuell in Things eintippen muss. Also habe ich recherchiert, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, das Erzeugen dieser Projekte zu automatisieren. Und siehe da, die gibt es: Things bietet ein URL-Schema als Automatisierungsschnittstelle an. Das bedeutet, dass Things Links entgegennimmt, die mit things:/// starten. Das ist vergleichbar mit Internetbrowsern, die auf das Schema http:// reagieren. Hinter things:/// hängt man die Befehle und Parameter an, die man Things gern mitteilen möchte. Was alles möglich ist, ist gut dokumentiert. Auf der Dokumentationsseite befindet sich ein praktischer Link Builder. Mit diesem Tool kann man grafisch konfigurieren, welchen Befehl man Things geben möchte und es generiert daraus die passende URL.

Im erst Schritt wählt man aus, welche Aktion man ausführen möchte. In meinem Fall ist es das Anlegen eines Projekts (add-project). Danach gibt man den Namen des Projekts ein. Dies soll bei mir immer der Name des Buches sein, das ich lesen möchte. Da das eine Variable ist, füllt man hier einfach einen Platzhalter ein, den man später einfach ersetzen kann, bspw. TITEL. Ansonsten habe ich nur noch die Felder Area und Todos befüllt, die jedes Mal gleich sind, also hier fest eingetragen werden können. Danach sichert man sich die URL, die der Link Builder generiert, am besten erstmal weg. Diese URL kann man bereits jetzt aufrufen und damit ein Projekt in Things erzeugen. Inhaltlich müsste das schon korrekt funktionieren, nur der Name des Projekts ist noch TITEL.

Zur dynamischen Automatisierung habe ich mich dazu entschlossen, einen Shortcut in der iOS-Shortcuts App anzulegen. Dieser soll mich beim Ausführen nach dem Buchtitel fragen und dann daraus mit der oben generierten URL ein Projekt in Things mit dem korrekten Namen erzeugen. Die Shortcuts App ist im Prinzip ein Sandkasten, in dem man mehrere verschiedene Aktionen hintereinanderschalten kann. Mein Shortcut benötigt folgende Schritte:

  1. Den Benutzer den Buchtitel eingeben lassen
  2. Alle Leerzeichen im Buchtitel durch %20 ersetzen (so werden Leerzeichen in URLs kodiert)
  3. Den entstehenden String in einer Variablen speichern
  4. Eine URL erstellen. Dafür muss die URL, die man mit dem Linkbuilder oben generiert hat, hier reinkopiert werden. Der statische Projekttitel in der URL muss durch die gespeicherte Variable mit dem Buchtitel ersetzt werden.
  5. Die erstellte URL aufrufen

Das wars auch schon. Der Shortcut ist jetzt ausführbar und legt das Projekt wie gewünscht an. Das erspart mir in Zukunft viel manuelle Tipparbeit und es besteht keine Gefahr mehr, dass ich einen Schritt vergesse. Mein Shortcut lässt sich übrigens auch hier herunterladen.

Hast Du auch Erfahrung mit Automatisierung? Mich würde interessieren, für welche Zwecke Du sie einsetzt. Oder hälst Du nichts davon? Ich freue mich über Deine Antworten in den Kommentaren. Bitte teile den Artikel in Deinem Netzwerk, wenn er Dir gefallen hat. Du kannst mir außerdem auf Twitter folgen.

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Nutzung sozialer Netzwerke

Instead of our devices being a distraction from our relationships, our relationships seem to be a distraction from our devices.
Jennifer Sartore Hulst

Ich bin schon häufiger zu der Erkenntnis gelangt, dass ich viel mehr Informationen konsumiere als ich verarbeiten kann. Das Problem ist, dass das Aufnehmen von kleinen Informationen, insbesondere aus den sozialen Netzwerken, zum Standardverhalten in jeder noch so kleinen Wartezeit oder Ruhepause geworden ist. Zeit, die anderenfalls zum Führen von Gesprächen, zum Nachdenken und Niederschreiben von Gedanken oder irgendwie sonst kreativ genutzt werden könnte.

Das stört mich sehr. Gehandelt habe ich bisher leider noch nicht konsequent, obwohl ich es mir schon mehrfach vorgenommen habe. Das Vorhaben, “weniger” zu konsumieren, funktioniert so leider gar nicht. Menschen sind schlecht darin, Mäßigung zu üben.

Ich habe in diesem Jahr den guten Vorsatz gefasst, meine Technologienutzung zu überdenken und einzuschränken. Im ersten Schritt sollen die sozialen Netzwerke auf den Prüfstand gestellt werden. Sicherlich haben sich diese einen festen Platz in unseren Leben gesichert, doch zu welchem Preis? Können die Vorteile, die sie bieten, aufwiegen, dass wir weniger Aufwand in unsere sozialen Beziehungen im echten Leben stecken? Dass wir weniger Zeit mit Nachdenken und Reflexion verbringen? Dass wir nicht mehr kreativ tätig sind sondern nur noch gedankenverloren durch Timelines scrollen?

An diesen Fragen kann man schon herauslesen, dass ich die sozialen Netzwerke gerade am liebsten alle loswerden möchte. Wenn ich von sozialen Netzwerken rede, dann meine ich konkret Facebook, Instagram und Twitter. Bei allen dreien bin ich ursprünglich angemeldet und mehr oder weniger aktiv.

Facebook

Mit Facebook war ich am schnellsten fertig. Hier war ich zwar angemeldet, habe es aber schon lange nicht mehr aktiv genutzt. Also habe ich direkt am 01.01. mein komplettes Datenarchiv runtergeladen und dann meinen Account gelöscht. Vermisst habe ich ihn bisher nicht eine Sekunde.

Instagram

Bei Instagram war ich aktiver als bei Facebook. Ich fotografiere gern und habe dort relativ regelmäßig Fotos geteilt, die ich als gelungen empfand. Hier war ich nicht bereit, den Account spontan zu löschen. Ich habe mich dazu entschlossen, die App von meinem Telefon zu löschen und für 30 Tage auf den Dienst zu verzichten, um dann eine Entscheidung zu treffen. Bereits in der ersten Woche habe ich über meine Nutzung nachgedacht. Jedes Mal, wenn ich ein Foto geteilt habe, habe ich dafür eine Handvoll Likes bekommen. Gleichzeitig bin ich bei der Gelegenheit durch meine Timeline gescrollt und habe ein paar Likes verteilt. Das war alles an Interaktion. Ich hoffe, das kommt nicht nur mir sinnlos vor. Gute Fotos, auf die ich stolz bin, haben mehr verdient, als stumpf in eine Timeline gepostet zu werden und ein paar zufällige Likes zu kassieren, die von der Nutzung des richtigen Hashtags abhängig sind. Letztlich habe ich meinen Instagram Account bereits nach zehn von den ursprünglich angedachten 30 Tagen des Verzichts gelöscht. Falls ich in Zukunft den Drang habe, Fotos zu teilen, werde ich das auf andere Weise tun, zum Beispiel hier im Blog.

Twitter

Twitter ist das soziale Netzwerk, bei dem ich am aktivsten bin. Mehrfach täglich scrolle ich durch die Timeline und setze auch regelmäßig Tweets ab. Twitter ist der Dienst, den zu löschen mir am schwierigsten fallen würde. Auch hier habe ich die Apps von meinen Geräten gelöscht und mir vorgenommen, 30 Tage darauf zu verzichten.

In den ersten Tagen stelle ich fest, dass ich instinktiv gern Links zu Artikeln, die ich lese, auf Twitter teile. Außerdem juckt es bei Live-Events, bspw. Fußballspielen in den Fingern, meinen Senf dazu abzugeben. All diesen Situationen konnte ich bisher aber gut widerstehen, schließlich habe ich für mich die Entscheidung des Verzichts für 30 Tage getroffen. Interessanterweise frage ich mich mit ein bisschen Abstand zu den Situationen, in denen ich gern etwas geteilt hätte, welchen Wert das gehabt hätte. Um ehrlich zu sein, lautet die Antwort für mich: keinen!

Um mir die Entscheidung leichter zu machen, habe ich versucht, die möglichen Gründe für die Nutzung von Twitter zusammenzustellen:

Gründe für die Nutzung von Twitter

  1. Nachrichtenkonsum: Klingt auf den ersten Blick nach eine validen Punkt, allerdings ist das auch sehr gut ohne Twitter möglich. Ich bin nach wie vor ein großer Fan von RSS-Feeds. Außerdem sind neuerdings Newsletter wieder stark im Kommen. Beides ist nicht so schnell wie Twitter. Das sehe ich aber als Vorteil, denn erstens sind viele sogenannte Schlagzeilen schon wieder überholt bevor man mit dem Lesen fertig ist und zweitens greifen langsamere Medien nicht so in den eigenen Tagesablauf ein wie Twitter.
  2. Freunde/Gleichgesinnte finden: Damit habe ich für mich immer meine Twitternutzung gerechtfertigt. Sicher gab es in all den Jahren einige Interaktionen mit anderen Nutzern, aber eine Freundschaft oder zumindest engere Bekanntschaft ist dabei nie entstanden. Ganz ehrlich: Wenn ich damit im echten Leben meine Probleme habe, wieso sollte das online besser klappen? Ich sollte lieber mein Augenmerk darauf richten, Beziehungen im echten Leben aufzubauen.
  3. Spaß/Unterhaltung: Sehr valider Punkt für die Twitternutzung. Aber hier gilt es abzuwägen: Ist ein wenig Unterhaltung den Zeitaufand und die Disruption des Tagesablaufs wert?
  4. Supportanfragen: Dieser Punkt ist mir nach ein paar Tagen ohne Twitter eingefallen. Ich habe in der Vergangenheit gern Supportanfragen an diverse Unternehmen per Twitter gestellt, um furchtbare Hotlines zu meiden. Das war immer sehr hilfreich, kommt allerdings auch eher selten vor.
  5. Community-Diskurs: Dieser Punkt trägt der Tatsache Rechnung, dass Twitter heutzutage auch als Kommentarspalte zu Blogartikeln, Podcastepisoden, usw. dient. Letztlich handelt es sich um die Kombination aus Content und dem Meinungsbild darüber. Interessanterweise ist das im Moment der Bereich, der mich bezüglich der Accountlöschung am ehesten zögern lässt.

Wie gehts weiter?

Zunächst bin ich froh darüber, bereits zwei von drei Accounts gelöscht zu haben. In Sachen Twitter werde ich weiterhin versuchen, den Dienst für den Rest der 30 Tage nicht zu nutzen und bewusst wahrzunehmen, was mir fehlt und was ich gewinne. Ich kann jetzt schon sagen, dass es gut tut, nicht in jeder kurzen Ruhephase sofort zum Smartphone zu greifen und irgendeine Timeline zu öffnen. In einer solchen Phase kam bei mir beispielsweise in den letzten Tagen die Idee, diesen Blog wiederzubeleben. Ich hoffe, dass ich am Ende der 30 Tage so überzeugt vom Leben ohne soziale Netzwerke sein werde, dass ich Twitter ohne Reue den Rücken kehren kann.

Mit der Eliminierung der sozialen Netzwerke ist mein Vorsatz allerdings noch nicht zu Ende. Auch was andere digitale Medien angeht, konsumiere ich viel zu viel. Als Stichworte seinen genannt: RSS-Feeds, Podcasts, Newsletter, Pocket. All diese Dienste sind Inboxen, die jeden Tag aufs Neue gefüllt werden und deren Wert auf den Prüfstand gestellt werden muss. Mein Ziel ist es, dass meine Geräte wieder zu Werkzeugen werden, die ich selbstbestimmt und zu einem bestimmten Zweck einsetze und die nicht Einfluss auf meinen Tagesablauf nehmen oder diesen gar bestimmen.

Fundstücke 004

In den Fundstücken verlinke ich in unregelmäßigen Abständen fünf interessante Links, auf die ich gestoßen bin.

Smiling Scots, worried Welsh and lazy Londoners: survey maps regional personality types | Science | The Guardian
In Großbritannien gab es eine groß angelegte Studie darüber, welche Persönlichkeitstypen vermehrt in welcher geographischen Gegend wohnen. So eine Studie würde ich gern in Deutschland sehen.

Pasta salad with rucola, tomato and basil tofu | The vegan vulture
Ein weiteres Rezept meiner besseren Hälfte. Diesmal ist es einfach und leicht, aber trotzdem lecker. Der Sommer kann kommen!

The 100 Best Websites for Writers in 2015 | The Write Life
Umfassende Linkliste mit Ressourcen übers Schreiben. Da sollte für jeden etwas dabei sein, der sich ein bisschen mit dem Schreiben befassen möchte.

TinEye Reverse Image Search
Das Internet kann mich noch überraschen. Von der Existenz von Rückwärtssuchen für Bilder wusste ich bisher noch nicht. Man lädt ein Bild hoch oder gibt die URL zu einem an und TinEye verrät einem die Quelle(n) des Bildes. Ich fand es beeindruckend.

The Science Of Why You Should Spend Your Money On Experiences, Not Things | Fast Company
Wir sollen unser Geld lieber für Erlebnisse ausgeben, als für Materielles, weil das langfristig glücklicher macht. Menschen kaufen trotzdem lieber Dinge, weil sie davon länger etwas hätten als von einem zeitlich begrenzten Erlebnis. Ich könnte mir als zusätzlichen Grund noch vorstellen, dass viele Menschen einfach ein so vollgepacktes Leben haben, dass gar keine Zeit mehr für Erlebnisse bleibt und so stattdessen materielle Dinge gekauft werden.

Meine Gründe für die Apple Watch

Ab dem 10.04. um 9:01 Uhr wird man in Deutschland die Apple Watch vorbestellen können. Wer schnell vorbestellt, wird mit Glück eines der ersten Exemplare am 24.04. geliefert bekommen.

Ich trage schon seit Jahren keine Armbanduhr mehr, habe mich aber trotzdem dafür entschieden, eine Apple Watch zu kaufen. Wofür? Das weiß ich noch nicht, denn was die Uhr kann, wird sich erst in den nächsten Monaten und Jahren herausstellen.

Viele Stimmen stellen derzeit den Nutzen der Uhr in Frage, denn es gebe keine Anwendungsfälle dafür, die man nicht auch mit dem Handy bearbeiten könnte. Dem Handy wird aber gleichzeitig ein unglaublich vielseitiger Nutzen attestiert.

Im Prinzip stimmt das, denn im Auslieferungszustand sind die Features der Uhr wirklich überschaubar. Als das heute so vielseitige iPhone 2007 erschienen ist, galt dafür aber das gleiche. Viel mehr als Telefonieren und Texten konnte man damals damit auch nicht tun. Dass sich das grundlegend geändert hat, ist dem App Store zu verdanken. Durch die unglaubliche Anzahl an Apps wurden viele Anwendungsfälle für das iPhone erst geschaffen, die man sich damals bei Erscheinen noch gar nicht vorstellen konnte.

Auf der ersten Seite meines iPhone-Homescreens befinden sich 27 Apps. Das sind die Apps, die ich regelmäßig benutze. Lediglich acht davon sind Apps, die von Apple auf dem Telefon vorinstalliert wurden. Die restlichen Apps kommen aus dem App Store und geben dem Telefon Fähigkeiten, die weit über den Funktionsumfang bei Auslieferung hinausgehen und nur dank dieser Apps ist das iPhone für mich benutzenswert.

Genau dieses Potenzial sehe ich auch bei der Apple Watch. Diese wird von Beginn an über einen App Store verfügen und viele Entwickler arbeiten jetzt schon mit Hochdruck an Apps für die Uhr. In den ersten Monaten werden vermutlich viele Begleit-Apps zu bereits auf dem iPhone existierenden Apps erscheinen, die einen schnellen Überblick liefern und einfache Interaktionen bieten, ohne dass man das Telefon dafür aus der Tasche ziehen muss. Ich rechne aber auch damit, dass aus den Köpfen kreativer Entwickler Apps entstehen, die Anwendungsfälle für die Apple Watch kreieren, an die man jetzt nicht mal im Traum denkt.

Die generelle Neugierde und dieses Potenzial, welches ich in den Apps sehe, sind für mich die Gründe, die Apple Watch zu kaufen. Wofür ich die Uhr nutzen werde? Das kann ich heute noch nicht absehen. Durch den Kauf nehme ich aber die Wette an, dass sie mich in irgendeiner Form produktiver machen wird.

Fundstücke 001

In den Fundstücken verlinke ich in unregelmäßigen Abständen fünf interessante Links, auf die ich gestoßen bin.

11 Comics Every Introvert Will Understand
Ich habe sie alle verstanden und mich sogar in den meisten wiedergefunden. Können sich ruhig auch mal die Extros anschauen, um Verständnis für uns Intros aufzubauen.

Vegan Guide für Hamburg
Ein gedrucktes veganes Branchenbuch, das man sogar bei der Touristeninformation bekommen kann, toll! Leider wird es nicht lange aktuell bleiben, denn hier in Hamburg macht gefühlt jede Woche eine neue vegane Lokalität auf.

VITAMIN B12: A VEGAN NUTRITION PRIMER
Man kann gar nicht genug Artikel verlinken, die Klarheit über B12 schaffen. Kurzfassung für Veganer: Supplementiert B12, vorzugsweise in der Form von Cyanocobalamin. Lest den Artikel für Hintergründe!

Problems Too Disgusting to Solve
Sauberes Wasser ist immer noch ein riesiges Problem auf diesem Planeten. Es gibt Methoden, aus Klärwasser sicher und wissenschaftlich bewiesen sauberes Trinkwasser herzustellen, doch es scheitert am Ekel der Menschen. Bill Gates setzt sich für die Methode ein.

Die Kassierer
Spitzenmäßiger Artikel, der mit der Mär von der vom Staat ausgequetschten Mittelschicht aufräumt, unbedingt lesen!

Blind Date mit einem Buch

Buchläden spalten mich zwie: Auf der einen Seite mag ich sie und wusel mich sehr gerne durch die Regale, auf der anderen Seite lese ich aber eigentlich nur noch digital und betrete Buchläden deshalb sehr selten. Neulich haben wir auf der Suche nach Glückwunschkarten einen Buchladen in Eppendorf besucht. Dort haben wir eine Aktion gesehen, die uns richtig begeistert und sofort zum Kauf zweier Bücher bewegt hat: Blind Date mit einem Buch. Auf einem eigens dafür hergerichteten Regal sind alle Bücher mit Packpapier eingepackt, so dass man nicht sehen kann um welches Buch es sich handelt. Lediglich in den vier Buchecken stehen ein paar Stichworte zum Inhalt. Somit kann sich die Buchauswahl nicht auf Äußerlichkeiten begründen und man könnte auf diese Weise auf Perlen stoßen, die man auf normalem Wege vielleicht nie ausgesucht hätte. Super Idee!

Als Programmierer drängte sich mir sofort die Frage auf, wie diese Idee digital funktionieren könnte. Die Bücher ohne Cover darzustellen und nach Stichwörtern auszuwählen ist sicher ohne weiteres umsetzbar, aber was soll nach der Auswahl passieren? Einfach dann den Buchtitel zu zeigen klingt wenig spannend. Direkt ein Verkaufssystem anzubinden klingt dagegen aber viel zu komplex. Ich hätte Lust, so etwas zu bauen, aber bisher ist mir noch keine gute und runde Idee gekommen. Für Vorschläge bin ich gern offen.

Informatiker, wir sind verantwortlich!

Ich fühle mich verantwortlich. Wir werden in einem Maße überwacht, das jegliche Vorstellungskraft übersteigt. Besonders einfach machen wir es den Überwachern, seien es Geheimdienste oder Firmen, die uns mit personalisierter Werbung beglücken wollen, dadurch, dass wir unsere Daten und Kommunikation im Klartext durch das Netz schicken.

Ich fühle mich verantwortlich, weil ich Informatiker bin. Ich weiß, dass es Möglichkeiten gibt, diese Überwachung zumindest zu erschweren. Ich fühle mich verantwortlich dafür, anderen diese Möglichkeiten zu erklären und ihnen dabei zu helfen, diese einzusetzen.

Ich fühle mich aber nicht allein verantwortlich. In dieser Verantwortung sehe ich alle Informatiker und andere, die sich täglich mit Technologie auseinandersetzen. Wir haben hier endlich einmal eine Chance, mit unserem Wissen etwas fürs Gemeinwohl zu tun, und die sollten wir nutzen!

Wir sind diejenigen, die den ersten Schritt gehen müssen, bevor wir der Masse helfen, nachzuziehen. Wir sind diejenigen, die die neue Messenger-App mit End-to-End-Verschlüsselung als erste ausprobieren und parallel zur alten nutzen, bevor die anderen nachgezogen sind. Wir sind diejenigen, die nach Anleitung PGP einrichten und dabei feststellen, dass es gar nicht so kompliziert ist, wie immer alle sagen, und die es anschließend bei ihren Freunden und Bekannten ebenfalls einrichten.

Verschlüsselung macht Überwachung vor allem dann aufwendig und teuer, wenn sie von der großen Masse für den Großteil aller Kommunikation genutzt wird (zumindest bis zur Quantencomputer-Apokalypse). Doch wie sollen wir die Leute davon überzeugen, dass Verschlüsselung wichtig ist, wenn wir selbst zu faul dafür sind? Ich habe in letzter Zeit von Technikern Zitate wie “Ich möchte eigentlich nicht noch eine Messaging-App benutzen!” oder “Glaubst du wirklich, dass die unseren Quatsch hier mitlesen wollen?” gehört. Darüber ärgere ich mich, wirklich.

Wenn wir eines aus den Snowden-Enthüllungen gelernt haben, dann doch, dass alles, was technisch möglich ist, auch getan wird. JEDE Kommunikation wird mitgeschnitten und gespeichert und dann wird per komplexen Datenbankabfragen darauf zugegriffen. Da ist nicht sehr abwegig, dass auch eigene Kommunikationsinhalte, und seien sie noch so belanglos, ins Visier der Überwacher geraten.

Interessant finde ich an dieser Stelle immer wieder, dass die Geheimdienste und andere staatlichen Organe niemanden wirklich zu beunruhigen scheinen. Aber wehe es kommt ein böser Konzern wie Facebook daher, da sind alle gleich auf den Bäumen. In diesem Sinne können wir uns ganz herzlich bei Facebook bedanken, dass sie viele Leute von WhatsApp weg hin zu Threema getrieben haben. Mein Adressbuch dort ist seit der Übernahme von WhatsApp angenehm voll geworden. Uns wäre also auch geholfen, wenn Facebook nach und nach alle unsicheren Dienste aufkauft. De-Mail als nächstes, vielleicht?

Aber Spaß beiseite. Wir müssen selbst dafür sorgen, dass wir ein Sicherheitsbewusstsein bei den Leuten wecken und vor allem mit gutem Beispiel vorangehen. Mir ist bewusst, dass wir die Überwachung nicht verhindern können, dafür muss eine globale politische Lösung her. Die liegt aber in weiter Ferne. Bis dahin können wir es den Überwachern aber so schwierig wie möglich machen und uns nicht einfach in unser Schicksal ergeben. Lasst es uns wenigstens versuchen!