Ich habe mit Hilfe eines Onlinekurses eine Schreibgewohnheit etabliert

Kennst Du das auch? Du glaubst, über ein Thema richtig gut Bescheid zu wissen. Doch wenn du dich mit jemandem darüber austauschen möchtest, bekommst du nichts Sinnvolles dazu artikuliert. Ich habe das ständig, und es nervt tierisch. Man müsste seine Gedanken irgendwie sortiert haben, damit man sie in Gesprächen abrufen kann.

Sortierte Gedanken kann man einfach erreichen, indem man sie niederschreibt, und zwar täglich. Ich habe in den letzten Jahren mehrfach versucht, eine tägliche Schreibgewohnheit zu etablieren. Egal ob mit oder ohne Blog: ich habe es nicht geschafft, sie dauerhaft aufrecht zu erhalten. Der Wunsch, regelmäßig zu schreiben ist aber immer im Hinterkopf geblieben.

Vor einigen Wochen habe ich im Bookworm-Podcast vom Kurs “30 Days to Better Writing” von Sean McCabe erfahren und beschlossen, damit einen neuen Anlauf zu starten, eine tägliche Schreibgewohnheit zu etablieren. Mittlerweile habe ich den Kurs erfolgreich absolviert und werde in diesem Artikel von meinen Erfahrungen berichten.

Konzept des Kurses

Zunächst verlangt der Kurs ein Versprechen. Wenn man den Kurs beginnt, soll man sich dazu bekennen, in den folgenden 30 Tagen jeden Tag eine Lektion zu absolvieren und zu schreiben. Der Zeitaufwand ist so bemessen, dass er 30 Minuten täglich nicht übersteigt, von denen 10 dem Durchlesen der Lektion und 20 dem Schreiben gewidmet sind.

Die Lektionen orientieren sich inhaltlich in drei Bereichen: Das erste Drittel des Kurses befasst sich mit den ersten Schritten beim Schreiben und dem Schreibprozess, das zweite Drittel damit, seine Schreibqualität zu verbessern und das letzte Drittel dreht sich darum, die eigenen Texte online zu veröffentlichen.

In jeder Lektion gibt es am Ende einen “Writing Prompt”. Das ist ein Vorschlag, worüber man in den folgenden 20 Minuten schreiben könnte. Diesen kann man befolgen, muss man aber nicht. Nach dem Schreiben beantwortet man ein paar einfache Multiple-Choice-Fragen, um die Lektion abzuschließen.

Der Kurs kann entweder im Rahmen einer Mitgliedschaft auf der Seite zusammen mit den anderen Kursen von Sean McCabe genutzt werden ($99/Monat oder $594/Jahr) oder er kann einzeln gekauft werden ($99). Ich habe mich für den Einzelkauf entschieden, weil ich an keinem der anderen Kurse interessiert bin.

War der Kurs ein Erfolg?

Ich habe mein Versprechen erfüllt und jede Lektion des Kurses am dafür vorgesehenen Tag bearbeitet. Das allein lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Der Kurs war ein Erfolg!

Inhaltlich sind die Lektionen durchwachsen. Einige, insbesondere zu Beginn des Kurses, enthalten wertvolle Tipps zum Strukturieren des Schreibprozesses. Viele Lektionen offenbaren aber nur wenig Gehaltvolles. Die guten Tipps habe ich mir notiert und versuche sie in meinem Schreibprozess zu berücksichtigen. Die wichtigsten kurz aufgelistet:

  • Strikte Trennung von Schreiben und Editieren
  • Strikte Trennung von Schreiben und Ideensammlung
  • Pflege eines redaktionellen Kalenders
  • Festen wöchentlichen Veröffentlichungsrhythmus anstreben
  • Immer 4-6 fertige Artikel Vorlauf haben

Abgesehen vom Inhalt hat es der Kurs geschafft, mich für 30 Tage täglich zum Schreiben zu motivieren, und somit habe ich – so hoffe ich – mit Hilfe des Kurses den größten Aufwand auf dem Weg zu einer Schreibgewohnheit bewerkstelligt. Bisher habe ich seit Abschluss des Kurses noch keinen Tag ausgelassen. Meine Tage haben recht unterschiedliche Abläufe, so dass es leider nicht möglich ist, jeden Tag zur gleichen Zeit und am gleichen Ort zu schreiben. Aber ich weiß im Voraus, wann ich an jedem Tag schreiben werde. Das muss reichen, um die Gewohnheit zu aktivieren.

Ich hoffe, dass sich durch das tägliche Schreiben meine Schreibqualität verbessert. Messbar ist das natürlich nicht, denn Klickzahlen sind dafür kein Anzeichen. Ich gehe aber davon aus, dass ich nach einiger Zeit einen Unterschied feststelle, wenn ich ältere und neuere Artikel miteinander vergleiche.

Was ich beim Durchführen des Kurses gelernt habe

Das tägliche Schreiben ist für mich ein Werkzeug, um mir über meine Gedanken klar zu werden, diese zu strukturieren und aufzuschreiben. Es gibt viele Themen, über die ich glaube, gut Bescheid zu wissen, über die ich mich aber überhaupt nicht artikulieren kann. Einige von diesen Themen habe ich im Laufe des Kurses gestreift. Ich habe festgestellt, dass wenn man seine Gedanken einmal klar niedergeschrieben hat, dass man sie dann auch in Gesprächen artikulieren kann.

Die Writing Prompts habe ich öfter ignoriert als beachtet. Gerade am Anfang haben sie mir einige wertvolle Denkanstöße zum Schreiben gegeben. Gegen Ende ging es immer mehr ums Verkaufen und daran habe ich kein Interesse. An den meisten Tagen hatte ich kein festes Thema, sondern habe meinen Gedankenstrom niedergeschrieben. Das hat meist sehr belanglos begonnen, indem ich über meinen aktuellen Tag geschrieben habe. In fast jeder Schreibsitzung kamen aber trotzdem im Laufe der Zeit Gedanken dazu, die ich sehr wertvoll fand und die mit Sicherheit weitergenutzt werden können.

Durch das häufige Gedankenstrom-Schreiben ist meine Schreibgewohnheit im Laufe des Kurses zu einer Art Tagebuch geworden. Dabei habe ich mit der Zeit festgestellt, dass sich das Schreiben aus Versehen selbst strukturiert hat. Ich schrieb nicht blind alle meine Gedanken auf, sondern alles, was mir zu einem Thema eingefallen ist. Dann habe ich das Thema gewechselt und dazu alles aufgeschrieben usw. Das habe ich so lange gemacht, bis die Schreibzeit abgelaufen war.

Aus den produzierten Texten haben sich eine Menge Artikelideen ergeben, von denen viele bereits in einem ersten Entwurf vorliegen. Diese müssen zwar noch bearbeitet werden, aber grundsätzlich ist viel Inhalt entstanden, bei dem ich mir eine Veröffentlichung vorstellen kann. Ich hoffe, dass ich die Texte zügig editieren kann um schnell in meinen wöchentlichen Veröffentlichungsrhythmus zu kommen. Ich möchte zunächst sechs Artikel fertigstellen, bevor ich anfange, zu veröffentlichen.

Interessant fand ich, dass viele unerwartete Gedanken und Verknüpfungen mit vorhandenem Wissen beim Schreiben entstanden sind. Ich weiß noch nicht genau, woran das liegt. Ich lese schon länger regelmäßig Sachbücher. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass ich nach dem Lesen trotz vieler Notizen nicht viel verinnerlicht habe. Ich frage mich, ob es auch mit der Schreibgewohnheit zusammenhängt, dass ich mehr Inhalte abrufen kann. Vielleicht haben sich solche Verknüpfungen auch schon früher ergeben, aber sie sind wieder verloren gegangen, weil ich sie nicht niedergeschrieben habe. Das klingt plausibel. Wenn das so ist, freue ich mich auf noch viele weitere Verknüpfungen, auf die mich diese Schreibgewohnheit bringen wird. Es scheint mir nicht mehr unrealistisch, immer neue Inhalte zu generieren. Es ist wie Patrick Rhone in seinen Buch “Some Thoughts About Writing” schreibt: Man muss nur sein Leben leben und dabei aufmerksam sein. Mehr braucht man nicht. Ich glaube er hat Recht. Ich spüre beim Niederschreiben dieser Gedanken Freude. Entsprechend dankbar bin ich 30 Days to Better Writing dafür, dass es mir hilft, meine Schreibgewohnheit zu etablieren. Das ist mehr wert als die 100$, die ich dafür auf den Tisch gelegt habe.

Ist der Kurs empfehlenswert?

Würde ich 30 Days to Better Writing empfehlen? Ich bin sehr froh darüber, den Kurs absolviert zu haben. Inhaltlich ist er für das, was er ist, sehr teuer. Aber der Inhalt ist fast Nebensache und nicht der Kern dessen, um was es in dem Kurs geht. Der Kurs möchte dabei helfen, eine tägliche Schreibgewohnheit zu etablieren. Und das schafft er durch seine Struktur hervorragend. In den ersten Tagen wird darauf eingegangen, wie man seinen Schreibprozess strukturiert. Gerade diese Lektionen waren auch inhaltlich sehr wertvoll für mich. Im weiteren Verlauf des Kurses sind viele Lektionen schwach, aber das macht nichts. Ich empfehle den Kurse jedem, der eine Schreibgewohnheit etablieren möchte und bereit ist, sich zu 30 Tagen täglichem Schreiben zu verpflichten.

Hast Du auch eine tägliche Gewohnheit oder versuchst eine zu etablieren? Welche ist das und auf welche Weise möchtest Du die Gewohnheit erreichen? Ich freue mich über Deine Antworten in den Kommentaren. Bitte teile den Artikel in Deinem Netzwerk, wenn er Dir gefallen hat. Du kannst mir außerdem auf Twitter folgen.

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